Die größte Party des Jahrhunderts: Pfingstfest 1184, Teil 1

Barbarossas Metalhead

Am Anfang des Studiums habe ich mich verliebt… und zwar in einen Text, den ich in irgendeiner Übung (ich glaube über Rittertum bei einer jungen Dozentin namens  Dreykluft) gelesen habe. Da ich bei Quellen nicht allzu eifersüchtig bin, möchte ich meine Liebe natürlich teilen. Daher zitiere ich hier eine meiner Lieblingsquellen zu einem meiner Lieblingsthemen:

26. Im Jahre der Menschwerdung des Herrn 1184, nachdem alle kriegerischen Unruhen in Deutschland beigelegt waren, sagte Kaiser Friedrich allen Großen des Reiches einen allgemeinen Hoftag für das Pfingstfest in Mainz an; er beschloß, dort seine beiden Söhne, nämlich König Heinrich und Herzog Friedrich von Schwaben, mit dem Schwert zu gürten und mit Waffen auszuzeichnen. Zu diesem Hoftag versammelten sich alle Fürsten des Reiches, nämlich die der Franken, der Deutschen, Slaven, Italiker, aus Illyrien bis nach Spanien. Aber auch die Fürsten aus den benachbarten Königreichen kamen auf Einladung der Würde des Imperiums wegen; ebenso vereinigte sich dort eine unglaubliche Menge Menschen der verschiedenen Gegenden und Zungen. Deshalb wurde außerhalb der Stadt auf ebenem Feld eine Pfalz mit einem weiten Oratorium dem Kaiser zur Zerstreuung aus Holz gebaut, die sehr lang gestreckten Häuser für die Fürsten wurden ringsum errichtet und boten je für sich den der Größe der Würde entsprechenden Aufwand ehrgeizig dar. Außerdem war die ganze Ebene durch Zelte von verschiedenen Farben bedeckt, die (jede) Zahl überschreitend errichtet waren, als ob man eine Stadt erbaut hätte, und nichts fehlte hier – um dem Elend der Welt den Ruhm des Überflusses zu zeigen – an Lebensmitteln, an Verschiedenheit der Kleider, an Schmuck der Pferde und an Freuden der Schauspiele, die von den Söhnen der Welt als ihre Klugheit – was Torheit ist vor dem Herrn – seit Generation(en) mißbraucht wird. Was die göttliche Macht zeigte, die zum offensichtlichen Zeichen das Künftige vorhersagte: Denn in der Dämmerung der heiligen Nacht erhob sich ein sehr starker Wind von Westen und brachte beim Oratorium des kaiserlichen Palastes das Nachbargebäude und viele anderen Gebäude zum Einsturz; die Bewohner konnten sich kaum retten, und er ließ die vom Schreck Verstörten alle im Zweifel zurück, so daß sie kaum von der Stelle wichen. Was von den Weisen als kein gutes Zeichen aufgenommen wurde und diesen überhaupt mißfiel. Nachdem am Morgen des nächst heiligen Tages mit großer Freude und Feierlichkeit zelebriert worden war und ausgesuchte Gastmähler mit größtem Aufwand glorreich abgehalten waren, wurden am zweiten Tag in der Frühe eine feierliche Messe gefeiert und dann die beiden Söhne des Kaisers, nämlich König Heinrich und Herzog Friedrich, mit Waffen umgürtet; ritterliches Ringen wurde eifrigst geübt, und die Ritter nahmen die Schwertgürtel auf: nachdem vom Kaiser die verschiedenen Geschäfte des Reiches erledigt worden waren, gingen sie am vierten Tag voller Freude in die Heimat zurück.

Ottonis de Sancto Blasio Chronica, Kap. 26.

Übersetzung aus: Die Chronik Ottos von St. Blasien und Die Marbacher Annalen, Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters, Band 18a, S. 78f. Enthält einige kleinere Änderungen von mir.

Wir sprechen hier von der größten Party des Jahrhunderts, dem Pfingstfest 1184 in Mainz. Wer sich für den prachtvollen Teil des Mittelalters im allgemeinen und dem Rittertum im Besonderen interessiert, ist bei dieser Momentaufnahme der höfischen Kultur perfekt aufgehoben. Ein Grund, ihn bei einer Urlaubszeitreise als allererstes anzusteuern. Die Veranstaltung ist riesig, mit angeblich zwischen 40.000 und 70.000 Besuchern, darunter so ziemlich alle hohen Tiere des Reiches, es gibt Speis und Trank vom Feinsten, die Rittergürtung der Kaisersöhne Friedrich, Herzog von Schwaben,  und König Heinrich und natürlich die Festkrönung mit dem Kaiserpaar Friedrich Barbarossa und seiner Frau Beatrix von Burgund, einer der gebildetsten, kultiviertesten und so behauptet man auch schönsten Frauen ihrer Zeit (übrigens eine der letzten Chancen, sie zusammen anzutreffen, da sie im November 1184 mit erst 44 Jahren stirbt). Dazu gibt es Turnierritte, höfische Kultur, Musik und Dichtkunst, das volle Programm eben. Für die Freunde des Dramas findet außerdem am Dienstag Abend der Einsturz der Holzkirche auf den Rheinwiesen statt, wobei hier regenfeste Kleidung empfohlen wird. Leider fällt das nachfolgend geplante Turnier in Ingelheim aus, vermutlich wegen eben dieses Vorkommnisses.

Interessanterweise wird dieses Event von mehreren Chronisten unabhängig voneinander beschrieben, und ich werde mich nicht entblöden noch die eine oder andere Variante hier rein zu stellen, um einen Vergleich zu ermöglichen. Denn nur weil zwei von dem Gleichen erzählen, kommt am Ende nicht das Selbe dabei herum.

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