RPC: Fräulein Smillas Gespür für Latex

Im hohen Norden liegt das gelobte Land. Nicht nur für Fleischklöpse, Elche und Ikea-Regale, nein, auch für Rollenspiel ist Skandinavien ein wahres Paradies. Heißt es… hab ich mir sagen lassen. Ich habe mich ein wenig umgehört bei Leuten, die sich auskennen, und soweit ich das verstanden habe, gibt es dort oben eine staatlich geförderte Rollenspielszene, wobei in diesem Falle Rollenspiel stark in Richtung LARP geht. Besonders in der Kinder- und Jugendbetreuung ist LARP dort eine ganz dicke Nummer, dafür fällt die Pflege des Hobbys ab sagen wir mal einem Alter von 16+ stark ab. Im Gegensatz dazu fängt LARP in Deutschland erst mit 16 so richtig an, und mit dem „erwachseneren“ Spiel wächst auch der Wunsch nach besserem Equipment, cooleren oder von mir aus auch „authentischeren“ Klamotten und schlichtweg „was eigenes“, ähnlich dem Jodeldiplom. Daher gilt wohl die deutsche LARP-Szene als eine der am besten ausgestatteten in Europa. Wenn ich mir so anschaue, was für Unmengen an Latexdingsis auf der RPC so weg geschleppt werden (es ist ja nicht so, als wäre das Angebot für den LARPer von Welt hier nicht gigantisch), scheint da was dran zu sein.

Aber kommen wir zurück zu den Skandinaviern: Zum Teil, so ich das recht verstanden habe, pendeln ältere LARPer sogar nach Deutschland runter, um eben nicht nur beim Jugend-LARP mitzumischen, dafür genießt die Rollenspielentwicklung aber hoch im Norden wiederum das Augenmerk der Forschung. Die ganze Nummer findet unter dem Label „Nordic LARP“ statt und umfasst Tagungen, Kongresse und wissenschaftliche Arbeiten.

Weil die RPC sich nunmal um Rollenspiel dreht, ist natürlich genau dieses wissenschaftliche Interesse auch ein Thema für uns. Das ganze schlägt sich dieses Jahr nieder in zwei Workshops. Im ersten kann man Wissenschaft in Aktion erleben, bei einer Feldstudie von Laura Flöters, die zuletzt auf dem vom Games Lab der Universität Tampere, Finnland veranstalteten Seminar „Role-Playing in Games“ einen Vortrag gehalten hat. Eben diesen wird sie uns auf der RPC noch einmal näher bringen.

Doppelgänger, Maske, Alter Ego – Zum Eigenleben des Avatars
Samstag, Raum 1, 11:00-12:00
Die Erschaffung eines phantastischen Alter Egos ist einer der interessantesten Aspekte des Rollenspiels. Viele Spieler empfinden ihre Charaktere zwar eindeutig als Aspekte ihrer Selbst, aber in ebenso großem Maße auch als ‚eigenständige‘ Persönlichkeiten: Denn manchmal entfalten Rollenspiel-Charaktere eine Eigendynamik –  sie handeln und entwickeln sich ganz anders, als der Spieler es eigentlich geplant hat, und er kann (fast) nichts dagegen tun. Dieser Workshop nähert dem Phänomen aus der Perspektive von Kunstwissenschaft und Theorie der Ästhetik. Nach einer theoretischen Erörterung sollen die Teilnehmer in einer Gesprächsrunde ihre eigenen Erfahrungen äußern und diskutieren – wer möchte, bekommt Gelegenheit, sich an einer Feldstudie zur Thematik zu beteiligen.

Welchen Nutzen so ein Forschungsansatz in der Praxis hat, zeigt uns Rafael Bienia in seinem Workshop:

Skandinavische Rollenspielforschung für Einsteiger    
Samstag, Raum 3, 18:00-19:00
Jedes Larp die gleichen Questen, Computerspiele folgen Schema F und am Tisch will man schon gar nicht mehr rechnen? Rollenspielforschung hilft! Wie du mehr Spaß am Hobby haben kannst mit wissenschaftlichen Methoden und Ideen, erfährst du hier.

Wieder einmal ärgere ich mich, dass ich auf der RPC zu viel anderes zu tun habe, um mir sowas anzuschauen.

 

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2 Antworten zu RPC: Fräulein Smillas Gespür für Latex

  1. Pingback: Solmukohta Post Trauma: I present at the Role-Play Convention, Köln (Update 2.05.12) « Bienia on Games

  2. greifenklaue schreibt:

    Klingt durchaus mal hörenswert! Leider geht es mir da vermutlich wie Dir …

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