Zufallstabellen für Partys im 18. Jahrhundert

Proto-DSA-Runde

Manchen sind sie ein Gräuel, manche lieben sie: Zufallstabellen. Anscheinend gibt es sie deutlich länger als gedacht. Denn ihm Rahmen von Literaturrecherchen bin ich über ein Bändchen gestolpert mit dem schönen Titel „Der Wahrsagende Mercurius : Oder: ganz neuvermehrtes Glücksbüchlein“ aus dem Jahre 1762.
Es ist anscheinend für Partys gedacht und seine Funktion ist recht simpel. Nach einer kurzen Einleitung, die hauptsächlich darüber aufklärt, dass es sich mit nichten um heidnische Wahrsagerei, sondern nur um einen Zeitvertreib handelt, folgen über 100 Fragen, getrennt nach „Mannspersonen“, „Frauenzimmern“ und „Manns- und Weibspersonen“. Zu jeder Frage gibt es eine Zufallstabelle, auf die man mit 3W6 würfelt.

Für Leute, die es mit Frakturschrift nicht so haben hier mal die erste Tabelle:

Der I. Theil, Fragen für Mannspersonen.
Erste Frage,
Wozu du natürlich geneigt seyst?
3. Du wirst zum Reisen geneigt seyn, und gut Glück darbey haben.
4. Du bist ein guter Sauffaus, drum ist Bier und Wein dein Element, welches dich, wie Magnet das Eisen, nach sich zieht.
5. Du bist ein verliebter Mensch, darum stehet dein Sinn nur nach Frauenzimmer.
6. Du hast zur Music und Poesi Lust, und liebest das Tanzen und Singen.
7. Du bist ein Colericus, darum gefällt dir Zanken, Schlagen und Balgen am meisten.
8. Dieser Mensch ist zur Sanftmuth, Gottesfurcht und Gütigkeit geneigt.
9. Du bist ein Grillenfänger und melanchylischer Mensch, und liebest nichts als Kahlmäuserey.
10. Du bist zum Studieren und Begreiffung anständiger Künste und Geschicklichkeiten geneigt, die dir nicht wenig Gunst bey den Leuten erwerben werden.
11. Du bist geneigt mit deinem Nächsten in Frieden zu leben, GOtt zu fürchten, und lieber zu leiden, als zu rächen.
12. Du bist ein guter Hofmann, und ist deine gröste Lust mit grossen Herren umzugehen, aber siehe zu, daß du nicht einmal die Flügel verbrennest.
13. Du bist ein guter Sternseher, und hast Lust zu mathematischen Wissenschafften, aber sag mit doch, was auf Erden geschicht.
14. Du bist ein guter Weltmann, und hängest den Mantel nach dem Wind, siehe aber zu, daß du dich nicht selbst betrügest.
15. Du bist ein Liebhaber vom Jagen und Weidwerk, dahero sind dir auch die Hund nicht feind.
16. Du bist ein Geizhals, darum stehet dein Sinn nach Geld und Gut, und rapsest zusamm, was du bekommen kanst.
17. Du bist ein Possenreisser, und grobe Zotten sind dein bester Lust, verlangst nirgend hin, als wo man mit der Säuglocke läutet.
18. Du bits ein gelehrter Mann, und ist deine gröste Lust über Bühcher zu sitzen, und dir eine schöne Bibliotec zu machen.

Es folgen noch diverse Fragen, beispielsweise wann man heiratet, ob die Frau einem treu ist, wieviele Frauen man haben wird (man merkt hier thematisch schon eine gewisse Tendenz), aber auch ob man Glück im Leben hat, ob man in den Krieg zieht oder was zu Hause so los ist, während man auf Reisen ist. Kann man sicher auch bei der Charaktergenerierung viel Spaß mit haben.

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Vortragsreihe, Teil 5: Die Zwerge

Am Freitag geht es an der Hochschule Trier in die nächste Runde der Vorträge, diesmal mit Markus Heitz (Ulldart, Die Zwerge, Legenden der Albae etc.)

Die Zwerge: Vom Buch zur Marke zum Game
Wann: Freitag, 16.06., 16:30 Uhr
Wo: Irminenfreihof, Q-Gebäude, Raum 128
Eine Fantasy-Romanvorlage, ein Game und jede Menge Fragen zur Umsetzung, zum Rechtlichen, zum Artwork – und wie war das noch gleich mit dem Crowdfunding? Welche Faktoren sind berücksichtigen, wo lagen Schwierigkeiten, wie lief die Zusammenarbeit zwischen den Entwicklern und dem Autor? Diese und andere Fragen klärt Autor Markus Heitz bei seinem gerafften Vortrag und steht im Anschluss für Fragen zur Verfügung.

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Vortragsreihe, Teil 4: Narration durch Illustration

ACHTUNG! TERMINÄNDERUNG: Neuer Termin: 23.06., 16.30 Uhr!
Die Vortragsreihe an der Hochschule Trier geht nächsten Freitag in eine neue Runde. Diesmal dreht sich alles um Illustrationen in Rollenspielen, und dafür konnte ich eine echte Expertin gewinnen.

Narration durch Illustration
Wann: Freitag, 23.06., 16:30 Uhr
Wo: Irminenfreihof, R-Gebäude, Raum 1
Nadine Schäkel erläutert in diesem Vortrag wie Illustrationen die Narration in Spielen unterstützen, aber auch selbst als Mittel des Storytellings genutzt werden können. Dabei legt sie das Augenmerk auf Methoden und Wirkungsweisen von Farbgebung und Komposition, um ohne Worte Geschichten zu erzählen.
Nadine Schäkel ist Art Directorin von Ulisses Spiele und damit zuständig für die visuelle Gestaltung von Produktlinien wie Das Schwarze Auge oder Hexxen 1733.

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Sachen, die ich schon immer schreiben wollte…, Teil 2

… aber so schnell wohl nicht dazu kommen werde. Oder gar nicht. Neben den schon genannten Projekten kommen noch ein paar neue dazu, deren Idee ich witzig finde, aber für die ich einfach nicht die Zeit habe. Oder einen Verlag.

Igor
Während der Vampirgraf holde Jungfrauen aussaugt, der verrückte Wissenschaftler die Weltformel sucht und der Schwarzmagier Dämonen beschwört, muss irgendwer den Laden am Laufen halten, und das ist bei abbruchreifen Schlössern am Arsch der Welt gar nicht so einfach. Natürlich hat ein Gruselschurke von Welt keine einfachen Bediensteten und Mitarbeiter, nein, er hat natürlich seinen treuen, wenn auch buckligen Diener Igor.
Kurz: Man kann die Helferlein eines Erzschurken spielen, Igors, Frankensteins Monster, Imps, irre Alchimisten und Succubi, die sich darum kümmern, dass der Laden läuft, während der Boss mal wieder an der Weltherrschaft herum plant.
Als Kampagne dann auch witzig: Was macht die Belegschaft, wenn der Boss auf einmal verschwunden ist? Und wie stellen sie es an, dass die Dörfler nicht Wind von der Sache bekommen und mit Fackeln und Mistgabeln das Schloss stürmen?

Cavemen in Space
Däniken hatte Recht. Tatsächlich sind Außerirdische auf der Erde gelandet. Doch leider fanden sie nur haarlose Affen vor, die mit Stöcken und Steinen hantierten. Daher haben sie sich wieder auf den Weg gemacht, zurück in den Weltraum. Was sie nicht ahnen: Sie haben nun lästige kleine Parasiten an Bord, einige Steinzeitmenschensippen, die sich im gigantischen Raumschiff verstecken und beginnen, sich über Versorgungsschächte und hinter Vertäfelungen nach und nach über das ganze Schiff auszubreiten. Hätten die Außerirdischen nicht ganz andere Probleme, würden sie sich sicher um diese blinden Passagiere kümmern. Aber es sind zu wenig mit zu vielen Schwierigkeiten. Und so haben sich kleine Stämme gebildet zwischen Frachträumen und hydroponischen Gärten, die die silbernen Götter anbeten, Putzdrohnen bekämpfen und die Innenseiten von Gehäuseabdeckungen mit Höhlenmalereien verzieren. Und wer weiß, vielleicht sind sie nicht die einzigen blinden Passagiere auf dem Schiff zwischen den Sternen…

Räuber Plotzenhotz
Ein Rollenspiel zu Räuber Hotzenplotz, Ronja Räubertochter, Gebrüder Grimm und Co. Halt romantisiertes 18. Jahrhundert mit Räuberhöhlen im Spessart und dem Schinderhannes. Ich hab dazu spaßeshalber mal ein Konfliktsystem auf Basis von Skat angefangen. Sah eigentlich ganz vielversprechend aus.

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Vortragsreihe, Teil 3: Spielerführung durch Storytelling

Die Vortragsreihe an der Hochschule Trier geht in die nächste Runde. Diesmal wird es wieder mehr P&Pig.

Spielerführung durch Storytelling in Tischrollenspielen
Wann: Freitag, 19.05., 16:30 Uhr
Wo: Irminenfreihof, R-Gebäude, Raum 1
Tischrollenspiele bieten dem Spieler eine enorme Freiheit zu entscheiden, zu gestalten und sich zu entwickeln. Wenn Spieler aber frei über das Handeln ihrer Charaktere entscheiden können, macht es dann überhaupt Sinn sich vorher Gedanken über Plots und Handlungsabläufe zu machen? Wie kann es dann „Abenteuer“ als Produkte geben, die ohne Kenntnis über die Spieler und deren Charaktere erlebbare Handlungsstränge vorgeben? Und wie gestaltet man sie so, dass sie sich nicht nach dem ersten Kontakt mit den Spielern in Wohlgefallen auflösen? Worauf muss man Rücksicht nehmen und welche Methoden gibt es?
Mit all diesen Fragen und mehr beschäftigt sich Jens Ullrich, langjähriger Rollenspieldesigner für Systeme wie Shadowrun oder Das Schwarze Auge, in diesem Vortrag.

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Vortragsreihe, Teil 2: Narration in LARPs

Die Vortragsreihe „Visualisierung und Narration in wechselnden Medien“ an der Hochschule Trier geht nächsten Freitag in die zweite Runde. Thema diesmal:

Massive Multiplayer Offline: Narration in LARPs
Wann: Freitag, 05.05., 16:30 Uhr
Wo: Irminenfreihof, R-Gebäude, Raum 1
LARP-Veranstaltungen stellen die Organisatoren vor besondere Herausforderungen. Mercedes Buyala hat als Geschäftsführerin von Zeitgeist Events & Design und LARP.net und Vorsitzende des Deutschen Liverollenspiel Verbandes (DLRV) langjährige Erfahrung mit der Planung und Leitung solcher Events. Daher erläutert sie in diesem Vortrag Methoden der Handlungsplanung und Narration in LARPs und wie interaktive Plots so gestaltet werden können, dass sie für Dutzende von Spielern gleichzeitig spannend und fordernd sind.
Bei Live Action Role Playing (LARP) oder Live-Rollenspiel handelt es sich um eine Form von Rollenspiel, bei der die Spieler ihre Spielfiguren physisch selbst darstellen, üblicherweise in Interaktion mit anderen Spielern, die entweder selbst Spielfiguren darstellen oder als NSCs die Handlung des Szenarios beeinflussen.

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Vortragsreihe „Visualisierung und Narration in wechselnden Medien“

Ich habe die große Freude und Ehre, dieses Semester eine kleine Vortragsreihe an der Hochschule Trier zu organisieren. Und natürlich habe ich die Chance genutzt Themen anzugehen, die ich persönlich für besonders spannend halte. Sicher auch für Rollenspieler und Rollenspielentwickler ganz interessant.

Visualisierung und Narration in wechselnden Medien
Die Vortragsreihe „Visualisierung und Narration in wechselnden Medien“ legt ihr Augenmerk auf Methoden und Herausforderungen beim Wechsel zwischen Medien wie Videospiel, Film, LARP und Literatur. Es wird daher unter anderem in den Blickpunkt genommen, wie sich das Storytelling beim Wechsel von Roman zum Videospiel verändert oder wie Techniken der Visualisierung die Narration unterstützen und wie sie in unterschiedlichen Medien genutzt werden können. Entsprechend wurden Referenten aus der Praxis eingeladen, die mit ihren Vorträgen über das Semester verteilt die unterschiedlichen Aspekte des Themenfeldes näher beleuchten.

Photogrammetrie in Film und Spieleentwicklung
Wann: Freitag, 21.04., 16:30 Uhr
Wo: Irminenfreihof, R-Gebäude, Raum 1
Hans Böhme, Masterstudent an der Hochschule Trier und 3D Generalist & Workflow-Organisator bei der bildundtonfabrik (Neo Magazin Royale, Game Royale, Schulz und Böhmermann) erläutert Methoden und Möglichkeiten der Photogrammetrie in der Entwicklung von 3D-Umgebungen für Spiele und Filme.
Photogrammetrie ist eine Methode um existierende Gebäude oder Gegenstände als 3D-Objekte zu erfassen. Hierzu werden die Objekte aus verschiedenen Blickwinkeln fotografiert und aus diesen Bildern die räumliche Lage und dreidimensionale Form des Objektes berechnet.

Weitere Vorträge (Details folgen später):
Massive Multiplayer Offline: Narration in LARPs
Wann: Freitag, 05.05., 16:30 Uhr
Wo: Irminenfreihof, R-Gebäude, Raum 1
Referentin: Mercedes Buyala (Inhaberin von Zeitgeist event&design)

Spielerführung durch Storytelling in Tischrollenspielen
Wann: Freitag, 19.05., 16:30 Uhr
Wo: Irminenfreihof, R-Gebäude, Raum 1
Referent: Jens Ullrich (Dozent und Entwickler)

Die Zwerge: Vom Buch zur Marke zum Game
Wann: Freitag, 16.06., 16:30 Uhr
Wo: Irminenfreihof, Q-Gebäude, Raum 128
Referent: Markus Heitz (Romanautor)

Narration durch Illustration
Wann: Freitag, 23.06., 16:30 Uhr
Wo: Irminenfreihof, Q-Gebäude, Raum 128
Referent: Nadine Schäkel (Art Directorin Ulisses Spiele)

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