Drei Fäuste gegen Deadlines

Nachdem ich völlig zurecht auf auslaufende Deadlines hingewiesen wurde, die sich zunehmend anschleichen, habe ich darüber nachgedacht, woran es hängt, dass es hängt. Und tatsächlich leide ich an den drei Plagen des (Rollenspiel-)Autoren.

1. Misstrauen
Ein guter Lektor tut einem Werk richtig gut. Er schleift ab, bringt alles auf eine Linie, fischt Fehler und Unklarheiten raus, kurz, er macht ein Buch rund. Leider habe ich in der Vergangenheit nicht immer nur gute Erfahrungen mit Lektoren gemacht. Da werden dann mal Daten und Himmelsrichtungen geändert, und aus einem perfekt durchgerechneten Szenario wird dann ein eher… seltsamer Ablauf von Ereignissen. Oder Begriffe werden nicht verstanden und durch falsche ersetzt, usw. Das soll kein Anschiss sein, sowas geschieht, denn Lektoren haben natürlich auch einen anderen Blick auf die ganze Sache. Aber am Ende ergibt sich daraus Punkt 2.

2. Alles selber machen
Man hängt natürlich an dem, was man da so macht, und es steckt viel Herzblut und Leidenschaft drin, auf die man stolz ist. Aber wenn man anderen nicht 100 prozentig vertraut, dann muss man ja davon ausgehen, dass die vielleicht die Vision dahinter nicht verinnerlicht oder wirklich durchdrungen haben, und nachher machen dann Mitautoren was falsch oder irgendwas kommt komisch rüber oder, oder, oder. Also kontrolliert man alles dreimal, was von außen kommt, schraubt dran herum und versucht es in seine eigene Vorstellung des Projekts reinzuquetschen. Die Entwicklung eines Spiels ist aber Teamplay. Fehler geschehen, und andere Vorstellungen sind nicht „falsch“, sondern können das Spiel bereichern. Vertrauen und die Bereitschaft zu Delegieren und auch Verantwortung abzugeben ist nicht immer einfach, aber nötig.

3. Unsicherheit und Perfektionismus
Nichts ist perfekt. Aber ist es gut? Ist es gut genug? Damit kann man sich beschäftigen. Wer schonmal belletristisch unterwegs war, weiß, wieviel Zeit man in ein, zwei Seiten Text stecken kann. Nicht nur der Akt des Schreibens dauert, sondern auch die Vorplanung vorher, die Recherche, und, da wird es dann besonders hakelig, die Korrektur. Man kann Wochen und Monate beispielsweise in eine Kurzgeschichte stecken, und feilt dran herum, streicht da mal ein Adverb, stellt da mal die Sätze um, fügt eine Info ein und schmeißt sie dann wieder raus. Das kann man beliebig lange machen, ohne dass man vorankommt, und alles, was nach dem ersten Tag Korrektur noch kommt, bemerkt der Leser sowieso nicht mehr, weil es halt doch nur ein „Vielleicht so? Oder doch so? Nee, lieber so.“ ist. Man muss loslassen können, und das ist manchmal leichter gesagt als getan. Ansonsten traut man seinen eigenen Texten nicht, und in diesem Falle seinen eigenen Regeln. Und da wird es dann noch schlimmer, denn wenn die Regeln nicht richtig sind, dann kann man ja auch keine Kreaturenwerte machen, oder Beispielcharaktere, denn wenn was falsch ist, dann muss man die Regeln ja korrigieren, und dann muss man all die Beispielwerte nochmal korrigieren etc. pp. So argumentiert man sich irgendwann selbst in die Sackgasse. Manchmal muss man eben springen, weil man sonst ewig auf der Stelle tritt.

 

Immerhin, die Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Ich werde gleich mal ein wenig rumdelegieren.

Ungeprüft und (fast) ohne Gegenlesung raus mit dem Blogeintrag! Und nun wieder an die Texte.

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2 Antworten zu Drei Fäuste gegen Deadlines

  1. ore schreibt:

    Nachdem crowdfounding nun gestartet ist, gehe ich davon aus, dass du alle Deadlines erreicht oder nur marginal überschritten hast, oder?
    Danke für deinen Einsatz, ich bin jetzt schon gehypet.

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