DRK: Post Mortem, Teil 1

 

Die reisende Kaiserin

Die Reisende Kaiserin, mein erster (und bisher einziger) eigener Quellenband für DSA. Es sind mittlerweile fünf Jahre vergangen, seit ich die Texte ins Lektorat gegeben habe. Da ich aber letztens einen kleinen Vortrag über die Verwendung historischer Quellen in der Spieleentwicklung gehalten habe, landete ich natürlich auch bei der reisenden Kaiserin und all der Quellenarbeit, die in diesem Band steckt. Daher werde ich mal schauen, ob ich die nicht wieder rausgefriemelt kriege, für den einen oder anderen historisch interessierten Spieler oder Leser. Da es etwas umfassender werden könnte, teile ich die Sache mal ein wenig auf.

Ein paar Worte zu Beginn
Es ist schon ein Band für Fans des Themenfeldes (was, wenn man ehrlich ist, bei fast jedem Quellenband gilt), und, was ich bemerkenswert finde, er ist thematisch so weit ich weiß einzigartig. Die meisten Fantasyrollenspiele basieren auf angloamerikanischen Fantasyvorstellungen, die wiederum von Tolkien und meist der britischen und nordischen Geschichte und Mythologie inspiriert sind. Das deutsche Reisekönigtum hat da kaum Platz. Entsprechend war es eine gute Gelegenheit sich tief aus der deutschen Geschichte des Mittelalters zu bedienen.
Zum Umfang und der Zielsetzung des Bandes sei gesagt: Der Band basiert auf dem Konzept des detailreichen Beispiels. Aventurien ist eine der, wenn nicht die am detailliertesten beschriebene Rollenspielwelt auf dem Markt. Den Wunsch maximaler Ausgestaltung kann ich daher verstehen. Ich glaube jedoch, dass der Spielwert ab einem bestimmten Volumen an Weltdefinition sinkt. Wenn alle Details ausdefiniert sind, bleibt kaum mehr Bewegungsspielraum für Spielleiter, Spieler und auch Autoren, um noch kreativ tätig zu sein. Daher habe ich mich sowohl bei den Pfalzen als auch beim Hoftag darauf konzentriert, einige detailreiche Beispiele zu geben, ohne alles in Grund und Boden zu betonieren.
Aufgrund dieser oft recht handfesten Beispiele gab es viele Möglichkeiten, Ingame-Stimmen die Beschreibungen erledigen zu lassen, und gerade bei ihnen findet man alte Bekannte wieder, ob Walter MapRahewin und Otto von Freising oder Ulrich von Zatzikhoven. Wenn man sich inspirieren lassen möchte, sollte man das an Stellen tun, die andere mit geringer Wahrscheinlichkeit kennen. Das sollte bei diesen Quellen sicherlich ganz gut gelingen. Was das im Kontext mit Game of Thrones bedeutet, kann man gern hier nachlesen.
Also, fangen wir mal von vorne an.

Stimmen zum kaiserlichen Hof
Und schon geht die Reise los. Der erste Kommentar aus dem „Schild des Hauses Löwenhaupt“ auf Seite 6 ist an die Beschreibung des Mainzer Pfingstfestes von 1184 durch Otto von St. Blasien (ja, der heißt wirklich so) angelehnt. Der gesamte Hoftag zieht viel aus dieser Veranstaltung und den verschiedenen Chronisten, die sie mehr oder weniger aufwendig beschreiben. Es ist ein Höhepunkt ritterlicher Kultur des Hochmittelalters, und so soll auch der große Hoftag Rohajas wirken. Kein Wunder also, dass dieses Zitat auch gleich den Band eröffnet. Die nächsten zwei, Bruder Praiofried über die Vergänglichkeit des Hofes und Waldaro Mappos über die Farben des Hofes stammen im Kern beide aus Walter Maps Feder. Mit Waldaro Mappos, der noch das eine oder andere Mal vorkommt, habe ich mir erlaubt ihm ein kleines Denkmal zu setzen. Die anderen beiden Ingame-Kommentare sind wiederum freihändig. Wobei ich mir bei Walthari von Leufels da nicht mehr ganz sicher bin. Die Beschwerde über Dienstleute, die ständig die Hand aufhalten, habe ich auch irgendwoher, glaube ich. Möglicherweise war das auch Map, was den eigenwilligen Namen erklären würde, aber mein Gedächtnis lässt mich da arg im Stich.
Alles in allem soll der Abschnitt einen ersten Eindruck und erstes Interesse an dem Thema wecken.

Die Geschichte des Reisekaisertums
Warum Kaiser Raul durchs Reich gejuckelt ist, ist etwas knifflig zu verargumentieren. Eigentlich wollte ich weg von der mittelalterlichen Logik der personalisierten Herrschaft. Daher hatte ich es auf eine Art von ihm übernommene novadische und damit nomadische Herrschaftstradition geschoben, aber aufgrund einer Anmerkung seitens der Redaktion habe ich das wieder rausgenommen. Funktioniert aber auch so.  Gleiches gilt für die Frage, warum Rohaja das Reisekaisertum wieder reaktiviert hat. Es kann tatsächlich in dieser Situation Sinn machen, sowohl herrschaftlich als auch praktisch und ideel, auch wenn das natürlich im Fandom ein hart umkämpftes Thema ist. Immerhin ermöglicht es mir das Rittertum wieder zu stärken, was dem Setting glaube ich ganz gut tun kann. Dies zieht sich auch durch die weitere Publikation hindurch.

Der Hof Rohajas
Gleich mit dem ersten Schlagwort geht es los: Renovatio Curiae. Der Begriff wie auch das Konzept ist an die renovatio imperii angelehnt und bezieht sich in diesem Falle auf eine Umgestaltung der Reichsverwaltung im Sinne einer Rückbesinnung auf alte Werte, um Verschwendung und Korruption einzudämmen und alte kaiserliche Güter zurückzuholen und zu sichern.
Der Ingametext „aus der Hofkorrespondenz des Kaisers Gerbald II.“ basiert auf Versorgungsangaben des sogenannten Tafelgüterverzeichnisses, das vermutlich den Königsdienst (servitium regis), also die Gastungsrechte des Königs gegenüber seinen Pfalzen und sonstigen Gütern, regeln sollte. Ich hab mich im Studium ausgiebig mit diesem Thema auseinander gesetzt, daher reichte da ein kurzer Griff ins Regal. Ich hab die Materialkosten dann nochmal angepasst, erweitert und in Dukaten umgerechnet. Entsprechend heißen diese Regelungen in Aventurien nun auch servitium imperatoris. Hier zeigt sich dann auch, wie die Anwesenheit des Hofes selbst zum Politikum bzw. zum Druckmittel werden kann. Es hat halt immer alles Vor- und Nachteile.

Der Hof auf Reisen
Und schon sind wir auf Seite 16. Der erste, längere Ingametext hat keinen historischen Ursprung, sondern soll einen für den SL praktischen Eindruck vermitteln, wie der Hof auf Reisen aussieht. Immerhin ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass man ihn in dieser „Konfiguration“ antrifft. Außerdem gibt er einen Einblick, wie so ein Lindwurm an Mensch und Wagen auf den normalen Aventurier wirkt.
Als nächstes ist dann Faramud ben Rassan an der Reihe, der als Kontrapunkt und Comical Relief fungiert. Sein unterwürfiges Genörgel über das Wetter, die Leute und das Essen zeigt einen anderen Blickwinkel auf Hof und Ritterlichkeit auf.
Da ich mich im Studium mehr als ausgiebig mit den Itineraren verschiedener Könige und Fürsten herum geschlagen habe, also den Wegen und Strecken, die sie bereist haben, müssen natürlich auch die Leser hier durch. Nicht dass es total abenteuerrelevant wäre, aber zur Beschreibung der Organisation des Kaiserhofes gehört es definitiv dazu.
Und dann darf gleich wieder Faramud ran, diesmal zum Thema Pferde. Auch im mittelalterlichen Rittertum nehmen Pferde eine wichtige militärische, wirtschaftliche und auch ideele Position ein, und entsprechend auch hier. Solche Abschnitte sind einerseits relevant für Leute, die im höfischen Umfeld oder schlichtweg Ritter spielen wollen, andererseits auch als Steinbruch für Abenteuerideen. Ein besonders edles Streitross kann schnell zu Neid und Unbill innerhalb der Ritterschaft führen, und vielleicht hat Faramud nicht ganz unrecht, wenn er Sorge um sich und seine Shadif-Stute hat.

So, für den Anfang reicht es erstmal. Immerhin, wir sind bis Seite 18 gekommen.

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