Tales from the Crypt: Systemausfall

SystemausfallIch hatte gestern mal wieder Systemausfall, den Übergangsband von Shadowrun 3 zu Shadowrun 4, in der Hand. Tja, was soll ich sagen. Ich war damals und bin bis heute nicht sonderlich zufrieden mit diesem Band im besonderen und dem inhaltlichen Übergang im allgemeinen. Die grundsätzliche Idee, eine Art digitale Apokalypse zu veranstalten, war ja noch ganz knuffig, doch alles weitere war… seltsam. Erst einmal wurde sie genutzt, um diverse Altlasten in einem großen Schlag zu entsorgen. DEUS, Winternight und Konsorten wurden in einem großen Badabumm liquidiert. Kann man machen, stört mich nichtmal sonderlich, da sich diese Plotlines eh tot gelaufen hatten. Es ist halt nur ein wenig an den Haaren herbei gezogen. Nun folgen jedoch die Punkte, die mir die Sache verlitten haben:

Der Zeitsprung
Ich kann die Idee nachvollziehen, dass man Altlasten beseitigen und neue Gimmicks möglichst in einem Rutsch einführen will. Aber der Fünfjahressprung von 2065 auf 2070 hat erstens die Frage aufgeworfen, was all die Leute, und besonders natürlich die eigenen Charaktere, in dieser Zeit gemacht haben, und zweitens dazu geführt, dass der eigentliche Gag an der Sache, die digitale Apokalypse, abgesehen von diesem Band gar nicht thematisiert wurde. Matrix stürzt ab, Weltwirtschaft bricht zusammen, Konzerne gehen zu Grunde, Chaos überall, und nichts davon ist spielrelevant. Der Vorhang fällt, fünf Jahre vergehen, und zack, alles ist wie früher, nur mit W-LAN und anderen Namen auf der Cornflakespackung. Hier hätten sich zwei Wege angeboten: Entweder, man zieht die Nummer durch und verstaltet ein von mir aus befristetes Mad-Max-Stadtkriegs-Anarchie-rund-um-die-Welt-Szenario, das sich nach und nach wieder beruhigt, was zum Spielen sicher jede Menge Gaudi gemacht hätte. Oder man forciert die gewünschten Änderungen einfach über eine überschaubare Zeit und spart sich den großen Knall. Großer Technologiesprung, von mir aus sogar dank DEUS, alles ist nun kabellos, KI A verkloppt KI B, diese Winternight-Spackos sprengen sich selbst in die Luft, ingame auch ohne großen Bums in ein paar Jahren zu stemmen. Ist ja jetzt nicht so, als würde das in der Realität nicht auch funktionieren. Es hinterlässt am Ende einen Beigeschmack von „Aufräumen ist mir zu viel Arbeit, ein Zimmerbrand tuts auch.“

Die neue Matrix
Ich war schon immer ein 3er-Fanboy, was nicht ganz überraschend ist, und ich bin nie wirklich mit der vierten Edition warm geworden. München Noir zu schreiben war noch ein großer Spaß, aber die Regeln… hm. Dabei war die Matrix ein besonderer Pferdefuß, und es überrascht mich nicht, dass man bei SR5 nun wieder zurück rudert. Unter SR3 war die Matrix ein Hintergrundelement, das meist dem Spielleiter überlassen war. Es war Motivations- und Informationsquelle, Steuerungs- und Plotelement oder Deko im Hintergrund. Aber das Spiel in der Matrix wurde von vielen Gruppen, nicht ganz überraschend, ignoriert, weil es mechanisch schlecht funktionierte und sich nicht vernünftig in den Rest des Spiels integrieren ließ. Nun war man mit SR4 aber gezwungen, den ganzen Wifi-Kram einzubauen, bis hin zu „wie schirme ich meine Cyberware ab, damit mein eigener Cyberarm mich nicht im Schlaf erwürgt“. Not my piece of cake. Den Wunsch, aus der Technologievorstellung der 80er rauszukommen, kann ich durchaus verstehen. Aber die de facto Selbsthistorisierung des Cyberpunks ist an vielen Fronten nicht aufzuhalten. Es stellt sich also die Frage, wie weit man da die Sache verbiegen will, und ab wann man es als „alternate future from the past“ annimmt.

Rückblickend ist es recht bezeichnend, dass sich mein Beitrag zur deutschen Erweiterung von Systemausfall auf den tobenden Mob und Katastrophenbilder in der ADL begrenzt hat. Die Geschichtensplitter wiederum waren schön zu schreiben. Eine BTL-abhängige Gangerin, die im Bonzenviertel auf Plünderzug geht, ein Manager im Selbstschutzmodus und ein frustierter Sicherheitsmann, das kann nur auf eine Art enden.

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Eine Antwort zu Tales from the Crypt: Systemausfall

  1. Koronus schreibt:

    Ich kann dich sehr gut verstehen. Laut späteren Büchern, war es zwar nur 1 Jahr soweit ich das richtig verstehe, allerdings ist allgemein nur wenig über die Zeit dazwischen bekannt. Meine Mitspieler wird es freuen, denn die haben ein Problem mit Quellenbüchern ich und den SL stört so etwas allerdings.

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