Der zornige Müller

DSA-BaustelleDie letzten Monate habe ich hauptsächlich mit dem Basteln von Regeln verbracht. Daher ist es eine nette Abwechslung, mal was komplett anderes zu machen. Als Nebenprodukt ist dabei eine kleine Geschichte abgefallen, die eigentlich als Koscher Märchen gedacht war. Damit die aber nicht einfach verschütt geht, zieh ich sie mal hier aufs Blog:

Der zornige Müller
Es war mal ein Dorf bei Angenburg, da lebte ein Müller. Er war groß und stark und dick wie ein Fass, und sein Gemüt war finster und gemein. Er betrog die Bauern um das Korn, so dass sie alle Hunger leiden mussten. Und er tobte und schimpfte, und oft schlug er Frau und Sohn, dass es Mutter Travia ein Gräuel war. Eines Tages band sein Sohn die Säcke nicht so wie es ihm gefiel, und er schimpfte vom Speicher herunter, und wütete und stampfte. Da gab es ein Krachen und Tösen und einen schrecklichen Radau, denn der dicke Müller brach durch die Bretter und stürzte herab. Und als er auf den steinernen Boden fiel, da blieb er tot liegen.
Da sprach der Sohn zur Mutter „Wenn die anderen ihn hier finden, glauben sie, wir hätten ihn tot geschlagen, weil er immer so tobt und schimpft. Besser, wir legen ihn dem Dorflehrer vor die Tür, denn mit dem hatte er viel Streit.“ Die Mutter stimmte ein aus Furcht vor dem Galgen, und in der Nacht schafften sie den toten Müller dem Lehrer in den Hof.
Als der ihn fand wurde ihm Angst und Bange. Er sprach zu sich „Wenn die anderen ihn hier finden, glauben sie, ich hätte ihn tot geschlagen, weil er mit mit im Streit lag. Besser, ich lege ihn dem Bauern in die Scheune, denn der Müller hat ihn ums Korn betrogen.“ In der nächsten Nacht packte er den toten Müller auf eine Schubkarre und schaffte ihn in die Scheune des Bauern.
Als der ihn fand, wurde er ganz bleich vor Schrecken. Er sprach zu sich „Wenn die anderen ihn hier finden, glauben sie, ich hätte ihn tot geschlagen, weil er mich ums Korn betrogen hat. Besser, ich lege ihn dem Fleischhauer hinter den Laden, denn mit dem hatte er sich letzten Jahrmarkt geschlagen.“ Und gleich in der nächsten Nacht schleppte der Bauer den toten Müller hinter den Laden des Fleischhauers.
Als der ihn fand, schaute er voller Schrecken. Er blickte links, er blickte rechts, und dann zog er den Müller in seinen Laden. Der Fleischhauer holte das große Messer, und er schnitt den Müller in kleine Stücke, und dann drehte er ihn durch den Wolf. Den ganzen Tag kochte es und siedete es im Laden des Fleischhauers, und der Duft der Würstchen lockte die hungrigen Bauern herbei.
Der Fleischhauer gab jedem Hungrigen eine Wurst, und so hat der Müller ein einziges Mal die braven Bauern satt gemacht.

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2 Antworten zu Der zornige Müller

  1. tagschatten schreibt:

    Die Würstchen klingen nicht… eh… koscher?

  2. Manfred Voita schreibt:

    Und weil er jetzt gestorben ist, da leben sie noch heute.

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