Sandkastenspiele

Da andernorts so Schwierigkeiten aufkommen, mit dem Begriff „Sandbox“ umzugehen, erlaube ich mir mal eine ich hoffe allgemein akzeptable, kurze Definition des Begriffes abzugeben.

Eine Sandbox ist eine detaillierte Beschreibung einer Location mit Umgebungsbeschreibungen, Plänen, Zeitabläufen und den dort lebenden NSCs inklusive Werten, Motivationen, Mitteln und den Beziehungen und Konflikten untereinander. Die Sandbox beinhaltet explizit keinen vorgefertigten Plot, sondern sie ist dazu gedacht, dass die Spieler mit ihren Charakteren völlig frei darin agieren können. Der SL muss, so die Sandbox eine ausreichende Detailtiefe hat, nur die NSCs anhand ihrer Motivationen, Mittel etc. auf die Charaktere und deren Treiben reagieren lassen. Im Endeffekt ist die Sandbox also „nur“ der Datensatz für eine Weltensimulation, in denen die Charaktere handeln können. Die Größe von Sandboxes ist unterschiedlich. Es kann sich um ein kleines Closed-Room-Scenario handeln wie ein Schiff oder eine Raumstation, theoretisch sogar zeitlich begrenzt als Bankettfeier auf einem Schloss. Sie kann aber auch ganze Welten umfassen, in denen die Charaktere im Rahmen ihrer Möglichkeiten schalten und walten können, wie sie wollen. Gerade im letzteren Fall wird gerne die „Weltensimulation“ eher improvisiert als detailliert ausdefiniert.

Meinungsteil: Sandboxes haben den Vorteil, dass sie zumindest theoretisch den Spielern alle Freiheiten lassen. Das ist besonders dann angenehm, wenn man als Spieler bisher immer wieder gegen gläserne Wände marschiert ist. Sandboxes sind meiner Meinung nach aber nicht im klassischen Sinne Abenteuer, sondern eher Hintergrundwerke, die eine mehr oder weniger spezifische Location so detailliert beschreiben, dass diese ohne weiteren Aufwand für den SL abenteuertauglich werden. Nachteilig ist die kaum mögliche Vorausplanbarkeit einer Sandbox. Wer als Spieler einen dramatischen Verlauf der Handlung erwartet, kann durchaus enttäuscht werden.

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4 Antworten zu Sandkastenspiele

  1. Lachdan schreibt:

    Und die meisten PC-Spiele, die sich „Sandbox“ nennen haben damit wenig zu tun, da man abseits der vorgesehenen Questen nichts machen kann. Die Welt ist zwar offen, aber um was zu erleben muss ich dem Quest folgen, dass lässt letzten Endes die Vorteile die eine solche Sandbox bietet völlig ungenutzt und ist im Prinzip ein klassisches Schlauchlevel mit einem offenen zentralen Platz.

  2. Jan schreibt:

    Volle Zustimmung. Als alter Freund des Sandspiels aber noch eine Ergänzung: Die Sandbox in der Form hat auch den Nachteil, dass man viel vorbereiten muss. In der eigenen Spielrunde hat man oft den Vorteil, dass man seine Spieler gut genug kennt und nur bestimmte Teile detailiert ausarbeiten muss. Für den Rest reicht die grobe Version. Vielleicht ist das der Grund, warum man so wenig Sand in Kaufabenteuern findet.

  3. Pingback: Sandkastenspiele und "Die reisende Kaiserin" | Arkanil

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