Der gelobte Abend: Ein Jahresrückblick

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, aber seien wir ehrlich: Dieses Jahr ist kurz vor Mitternacht, von daher sei es erlaubt jetzt schon einen Jahresrückblick raus zu hauen, auch wenn ich Morgen vermutlich im Lotto gewinne, meine Wohnung nieder brennt und Außerirdische Bottrop auf der Suche nach einem magischen Kohlrabi verwüsten.

Abgesehen von all den Dingen, die hier eh keine Sau interessieren und eigentlich auch nichts angehen, gibt es aber sicher das eine oder andere erwähnenswerte. Das Jahr eröffnete mit dem Abschluss meines Studiums, und was Rollenspiel angeht war gut was los. Die RPC Anfang Mai war ein absoluter Hit und nicht ganz überraschend ziemlich anstrengend. Top Wetter, gute Musik und die Workshops unter meiner Betreuung liefen dankenswerterweise sehr gut ab. Besonders habe ich mich wieder über die Vielzahl von Illustratoren und Fanprojekten gefreut, die die RPC erst zu dem machen, was sie ist, eine Veranstaltung für das gesamte Hobby. Was Ambiente und Action angeht, lasse ich lieber Bilder sprechen:

Die nächste RPC ist übrigens wieder Anfang Mai, und ich bin sehr gespannt auf die neue, riesige Halle in Köln.

Als zweites ist ganz klar der Rhein-Ruhr-Plex zu nennen. Das Positive ist, dass ein guter Teil meines eher aus dem Ärmel geschüttelten Konzepts kopiert wurde. Über das weniger Positive möchte ich nichts weiter sagen,  dazu sind schon genug Bytes verheizt worden. Das reine Schreiben von Essen, Wuppertal und dem Bergbau hat mir große Freude bereitet. Wuppertal halte ich für eines der interessantesten Stadt-Settings in der ADL, und auch wenn einiger Unfug, der drin steht, trotz Kommentierung meinerseits nicht mehr raus geflogen ist, hat er einiges an Potential. Die dazu zusammen geschraubte Kampagnenskizze findet man hier.
Der Bergbau hat alleine schon aus alter Familientradition Freude gemacht, und seien wir ehrlich, Pott ohne Pütt? Das ist kaum vorstellbar. Was Essen angeht bin ich hingegen etwas zwiegespalten.
Ich habe einige Ideen hier noch auf Halde liegen, die nicht in den Text gekommen sind, und mir ist es bis heute schleierhaft, warum die Voice geändert wurde. Ursprünglich war Eismann (nicht ganz überraschend) als Handlungsreisender und Eisverkäufer eingebaut, entsprechend war es wieder recht blumig formuliert, während Queequeg fast autistisch die rein statistischen Einwürfe im Arkologie-Teil machen sollte. Nun ist er in beiden Abschnitten die Voice, wodurch die Sache ein wenig seltsam wirkt, ganz abgesehen von dem jetzt eher obskuren Hinweis, dass man in Essen nur schwer eine Lizenz für einen Imbissstand erhält. Aber was solls, das Thema ist gegessen. Als Nachtrag sei noch gesagt, dass leider auch aus den Bildzeitungsberichten zum Erwachen nichts geworden ist, was sicher ein großer Spaß geworden wäre. „Japan verrückt! Angebliche Drachensichtung“ oder „Neuer Pharma-Skandal: Immer mehr kranke Babys!“ hätte schon Laune gemacht, schön im BILD-Stil, am besten eingefügt in die aktuellen (wenn auch wegen Urheberrecht etc. überarbeiteten) Ausgaben. Naja, Schwamm drüber.

Nach dem RRP folgte gleich mein erstes offizielles DSA-Abenteuer „Familienbande“, was beim Thema Zusammenarbeit mit der Redaktion im Vergleich eine echte Wohltat war. Ich war selbst ein wenig überrascht, dass ich für den Rohtext grade mal drei Wochen gebraucht habe. Ich mag das Abenteuer und habe es schon mehrfach geleitet, und selbst ganz platt „by the book“ hat es sich bisher ganz gut bewährt, selbst die Vorlesetexte, was mich durchaus amüsiert hat. Um da mal aus einer meiner Spielrunden zu zitieren:
<vorgelesener Vorlesetext>“Nicht, dass die hohen Herren mich für verrückt halten. Ich habe einen unsichtbaren Habicht gesehen.“
<Einwurf eines Spielers> „Ja nee, klar, wie hat der den denn sehen können, wenn der unsichtbar war?“
<vorgelesener Vorlesetext>“Wie ich ihn sehen konnte, obwohl er unsichtbar war? Das ist ganz einfach…“
Ich bin sehr auf die Reaktion auf das Abenteuer gespannt. Ich habe mir vorgenommen, das Abenteuer gut spielbar aufzuziehen, so gut es geht offen inklusive offenem Ende, und mit viel Spielzeug am Rande. Aber Wunsch und Wirklichkeit gehen bisweilen unterschiedliche Wege, und nur weil etwas mir gefällt, heißt das ja nicht zwingend, dass das bei jedem der Fall ist. Geschmäcker und Prioritäten sind halt doch oft verschieden.

Das nächste Projekt waren ein paar Beiträge zum zweiten Orga-Band „Auf gemeinsamen Pfaden„, bei denen der Rechercheaufwand naturgemäß deutlich höher war als bei einem Einsteigerabenteuer, das „nur“ in einer einzelnen, kompakt dokumentierten Einsteigerregion spielt.  Das schöne ist, dass man als Mediävist (ich liebe dieses Wort) den sachgemäßen und effizienten Umgang mit verschiedensten, sich auch widersprechenden Quellen lernt, was sich hier als sehr nützlich erwiesen hat. Insgesamt habe ich drei der Organisationen „verbrochen“, und auch da bin ich gespannt, wie sie aufgenommen werden. Es ist ja doch ein etwas anderes Genre als Abenteuer.

Und aktuell, das dürften die meisten wissen, die mein Blog ab und an im Blick haben, bastel ich an „Rohaja auf Reisen„, ein Arbeitstitel, der sich ein wenig an den Arbeitstitel meiner Magisterarbeit anlehnt. Ich denke, ich kann mit Recht behaupten, dass ich von Reisekönigtum Ahnung habe, speziell das der Staufer. Von daher finde ich es gleich doppelt interessant, einerseits für den eher simulatorischen Anteil genug Hintergrundinformationen zu besitzen, um einen funktionierenden Hof darzustellen und auf der anderen Seite als langjähriger Rollenspielautor und DSA-Spieler die Kernelemente Aventuriens, die sich ja nun wahrlich von der Realität unterscheiden, als tragendes Fundament einzufügen. Das ergibt schon eine spannende Mischung, auch wenn ich selbst nie so sicher bin, ob am Ende die ganze Sache für viele Spieler wirklich interessant ist. Aber ich werde wohl die Tage mal einige Testleser aquirieren.
Ich denke, dass es Zeit wird für die Aufarbeitung eines reisenden Kaiserhofes im Mittelreich, denn so eine Struktur ist in der anglophonen Rollenspielwelt so weit ich weiß bisher nicht thematisiert worden. Das mag den Anspruch jetzt etwas arg hoch aufhängen, aber ich denke ein Versuch lohnt sich. Außerdem: Hallo, der Hof einer Kaiserin, da geht ne Menge!

Zum Ausblick: Ich habe über die Feiertage eine kleine Schreibflaute gehabt, daher bin ich immer noch am Ende der ersten Hälfte des Bandes, und die Abschnitte „Sicherheit der Kaiserin“ und „Spielerhelden am Hof“ sind immer noch nicht fertig, aber sollte diese besonders was die Regelrecherche angeht aufwendige Hürde genommen sein, geht es an den „praktischen“ Teil des Bandes, den eigentlichen Hoftag am praktischen Beispiel, auf den ich schon sehr gespannt bin. Ich merke zwar immer wieder, dass bestimmte Konzepte anecken, was beim doch recht ausgearbeiteten Rahmen des DSA-Hintergrundes nicht überraschend ist, aber bisher habe ich die gröbsten Ecken und Kanten umgehen können, und für brauchbare Tips und Hinweise bin ich immer zu haben und auch die Kommunikation mit den anderen Autoren ist immer wieder inspirierend.
Danach kann ich mir durchaus weitere Publikationen für DSA vorstellen, und der Redaktion liegen schon zwei weitere Exposés für eine Kampagne und einen Hintergrundband vor und zudem ein kleines Exposé zu einem, tja, sagen wir mal produktunterfütterten Metaplot. Natürlich hoffe ich, dass es auf Wohlwollen trifft, aber ich bin wie immer auch da für fast jeden Spaß zu haben.

Ansonsten sei nur noch gesagt: Auf gehts zur Role Play Convention am 5. + 6. Mai in Köln, dem Nerd-Treffen schlechthin!

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