Rohaja auf Reisen: Ich lese tote Menschen

Auch wenn noch nicht alle Pfalzen fertig sind, widme ich mich aktuell den Hofämtern und der Hofstruktur. Ist erstmal nicht ganz so spannend, aber um zu verstehen, wie der Hof so tickt und wer wo was zu sagen hat, ist das nicht ganz unwichtig.

Im Rahmen dessen bin ich mal wieder auf Quellenjagd, und an dieser Stelle muss ich es einfach nochmal sagen: Dienst und Verdienst von Jan Ulrich Keupp ist einfach ein gutes Buch und wunderbar quellennah. Da sind Zitate bei, die kann man einfach nicht erfinden.

Hier ein paar 1A Beispiele über das kriegerische Umfeld des Hofes Barbarossas:

Rahewin über Friedrich Barbarossa: „Ihm erschien es als eine größere Zierde, daß in seinem Lager eher die Pracht des Mars erstrahlte, als die der Venus“

Ein erstaunter Kommentar aus der römischen Kurie, als der Abt von Siegburg versucht den Klostergründer heilig sprechen zu lassen: „Aus deinem Land pflegen tapfere Krieger zu kommen, ich wundere mich, daß es dort auch Heilige geben kann.“

Über den Reichskanzler, Erzbischof und päpstlichen Legaten Christian von Mainz heißt es „auf dem Kopf einen vergoldeten Helm und in den Händen eine dreiknotige Keule, soll er in diesem Waffengang mit eigener Hand neun Menschen zu Boden gestreckt haben.“ oder auch „28 Vornehmen des Landes habe er einmal persönlich mit einem Stein die Zähne ausgeschlagen“, so sein Notar.

Aber die schönste Nummer ist: Als der Reichsministeriale Heinrich von Kalden mit harschen Tributforderungen Heinrichs VI. vor den Thron des oströmischen Basileus tritt und dessen golddurchwirktes und edelsteinbesetztes Herrscherornat sieht, legt ihm der byzantinische Geschichtsschreiber Niketas Choniates folgendes in den Mund: „Jetzt kommt die Zeit, wo man das Weibergewand ablegen und sich statt in Gold in Eisen hüllen muß. Wenn unsere Gesandtschaft zu keinem Erfolg führt und die Rhomäer dem Willen ihres (wahren) Herrn und Kaisers nicht beistimmen, so werden sie ganz gewiß zur Schlacht gegen Männer antreten müssen, die nicht mit Edelsteinen übersät sind wie eine Wiese mit Blumen, sondern gegen Männer, die von Ares erzogen sind, deren Augen vom Feuer des Zorns sprühen wie funkelnde Edelsteine und deren Schmuck die Schweißtropfen sind, die von hartem Tagewerk entquellen, ein Schmuck, schöner als glitzernde Perlen.“

Na, da kommt doch Freude auf.

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