Rohaja auf Reisen: McD und die Tanke

Wenn der kaiserliche Hof durchs Land rollt, dann frisst er seinem Umfeld ganz schön die Haare vom Kopf. Um das mal in Relationen zu setzen: Das Tafelgüterverzeichnis (vermutlich aus dem 12. Jahrhundert) führt als Servitium regis, also Königsdienst, folgende Nahrungsmenge für fränkische Pfalzen auf: 40 Schweine, 7 Ferkel, 50 Hühner, 5 Kühe, 500 Eier, 10 Gänse, 5 Pfund Pfeffer, 90 Käse, 10 Pfund Wachs und 4 große Fuder Wein. Es gibt zumindest die Vermutung, dass dies eine Tageslieferung an den Hof darstellen könnte. Was sagt uns das für Aventurien? Gut, der Hof Rohajas ist etwas kleiner als der Barbarossas und die fleischliefernden Tiere sind von ihren Größen her modernen Zuchttieren ähnlich, nicht den Tieren, die im Hochmittelalter domestiziert wurden. Man muss also die ganze Sache etwas herunter rechnen, kommt dann aber immer noch auf einen schönen großen Berg Fleisch. Ich werde mal schauen, was das dann umgerechnet an Kosten bedeutet.

Aber kommen wir zu den Pfalzen. Im Mittelreich gibt es ziemlich wenige davon, nicht viel mehr als ein Dutzend. Auf den ersten Blick ist das überraschend, denn eigentlich sollten zumindest an den wichtigen Strecken entlang alle 30 bis 40 km, also die Tagesleistung des reisenden Hofes, eine Unterkunft zu finden sein. Und da Klöster in Aventurien entweder auch sehr selten oder einfach selten beschrieben sind und Reichsstädte auch nicht allzu häufig, sollte man erwarten, dass jede Menge Reise- und Transferpfalzen herum stehen. Andererseits wurde das Reisekaisertum nach den klugen Kaisern aufgegeben, und das ist immerhin 700 Jahre her. Kein Wunder also, dass Pfalzen verschütt gegangen sind. Verbleibt die Frage: Was stellt man mit dem Rest an?

Momentan tendiere ich dazu einige Pfalzen, verteilt über das Reich und vorzugsweise unterschiedliche Varianten, exemplarisch zu beschreiben. Nun gibt es jede Menge Pfalzenliteratur, und zum Glück gibt es vom Max-Planck-Institut Die Deutschen Königspfalzen: Repertorium der Pfalzen, Königshöfe und übrigenAufenthaltsorte der Könige im deutschen Reich des Mittelalter in mittlerweile… keine Ahnung… einigen Bänden. Es ist nicht ganz komplett, die bisherigen Bände sammeln jedoch akribisch für jede bekannte Pfalz und jeden Königshof alle relevanten Daten und Informationen. Eine Goldmine für die Pfalzenforschung und eine sehr verdienstvolle Arbeit.

Natürlich will kein Mensch in dieser Dichte und diesem Volumen eine Pfalz für ein Rollenspiel beschrieben haben, aber es gibt zumindest Anhaltspunkte, wie man die Nummer aufziehen kann. Ich habe mich dazu entschieden, die Struktur der Beschreibung zu standarisieren, damit der Leser bei den Pfalzen jeweils an der gleichen Stelle des Textes die formal gleichen Informationen findet, womit das Suchen nach bestimmten Details beschleunigt und die Pfalzen etwas vergleichbarer werden. Der Aufbau sieht dann wie folgt aus:

1. Name der Pfalz (Pfalzgrafschaft, Herzogtum)

2. Aventurisches Zitat, vorzugsweise mit subjektiver Sicht auf Details der Pfalz, Aktivitäten in der Pfalz, Konflikte etc.

3. Lage und Bebauung

– Verortung der Pfalzgrafschaft und Übersicht über ihre topographische Beschaffenheit

– Lage der Pfalz und ihre verkehrstechnische Anbindung (Straßen, Flüsse etc.)

– Aufbau der Pfalzanlage in Kurzform

– detailliertere Betrachtung bestimmter interessanter Eigenheiten, jeweils zuerst Hauptburg, dann Vorburg

4. Geschichte der Pfalz, bis auf wenige Ausnahmen chronologisch

5. Die Pfalz heute

– Herrschaft über die Pfalz

– wirtschaftliche Situation der Pfalz (gerade für die Freunde des eher wirtschaftssimulatorischen Ansatzes nicht ganz uninteressant)

– Politische Situation und Einbindung ins Umfeld

– Weitere Besonderheiten (beispielsweise Zugänge zu Höhlensystemen, Zwistigkeiten, Konflikte aller Art)

Klingt zugegebenermaßen so abstrahiert eher langweilig. Interessant wird die Sache entsprechend erst, wenn Fleisch auf die Knochen kommt. Mir ist natürlich bewusst, dass hier auf der einen Seite Detailtreue und Rücksicht auf den bestehenden Hintergrund wichtig sind und auf der anderen Seite Spielrelevanz und Spielwert. Ich hoffe, wie andernorts bereits angemerkt, dass ich diesen Spagat hin bekommen werde.

Wer sich für Pfalzen und die hier angesprochenen Fragestellungen interessiert, hier derLiteraturtipp.

Allgemein zu Pfalzen ganz interessant:

Caspar Ehlers (hg.), Orte der Herrschaft: Mittelalterliche Königspfalzen, Göttingen 2002.

 

Günther Binding, Deutsche Königspfalzen. Von Karl dem Großen bis Friedrich II. (765-1240), Darmstadt 1996.

Zum Tafelgüterverzeichnis:

Carlrichard Brühl/Theo Kölzer, Das Tafelgüterverzeichnis des römischen Königs, Köln 1979.

Jens Ullrich, Iste sunt curie…Randnotizen zum Tafelgüterverzeichnis, in: Johannes Laudage und Yvonne Leiverkus (hg.), Rittertum und höfische Kultur der Stauferzeit, Köln 2006.

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6 Antworten zu Rohaja auf Reisen: McD und die Tanke

  1. Hartsteen schreibt:

    Als direkt betroffener Briefspieler verweise ich da gerne auf:

    http://garetien.de/index.php?title=Garetien:Kaiserlich_Sertis
    http://garetien.de/index.php?title=Garetien:Pfalz_Breitenhain

    Ansonsten gehe ich natürlich davon aus, dass die einschlägigen Pfalzen im Königreich Garetien bei der Recherche längst berücksichtigt worden sind, zumal bei Rückfragen 100%ig der garetische Kanzler sicherlich gerne zu Hilfe ist:

    http://garetien.de/index.php?title=Kategorie:Pfalz

  2. eismann2060 schreibt:

    Keine Sorge, hab ich alles soweit im Blick.

  3. maekkel schreibt:

    Hallo Eismann, hier mal meinen Beitrag

    DSA krankt am zu krassen Realhistorismus, es wird immer vergessen das es „Karmalzaubererei“ und „Madazauberei“ gibt. Vorallem die Tatsache das Geweihte um ein einiges häufiger sind als vollausgebildete Zauberer. Ich hoffe das ziehst Du in Betracht – da es bisher sehr historisch daher kommt.

    Ich möchte auch nicht nur eine schöne stark ans reale Reisekaisertum angelehnte beschreibung haben sondern vorallem Gründe warum man die zentrale Verwaltung aufgibt… Ich sehe da für Rohaja nur einen Vorteil – und zwar das sie je nachdem wo sie sich befindet, die direkte Kontrolle hat.

    Auch würde ich sie nur alle paar Monate reisen lassen.

    Helden können ja immer eingebunden werden, da der kaiserliche Hof ja nie wirklich „zuhause“ ist.

    Beim Hof würde ich gerne mehr als nur Praiosgeweihte und die üblichen verdächtigen wie Rondra, Hesinde und Phex sehen. Ich fände es angebracht wenn alle Kulte mindestens einen Geweihten am Hofe haben.

    Als temporäre kaiserpfalzen können tatsächlich Klöster dienen – aber warum nicht dort wo ein Kloster stark verbreitet ist – wie beim Travia- & Perainekult. Obwohl es riesige Landkulte sind und sogar in den meisten großen Städten Tempel haben werden diese immer recht unpolitisch und klein geschrieben.

  4. Puscherbilbo schreibt:

    Hi. Sehr spannendes Thema. Es gibt bei DSA allerdings keine den Kurfürsten, dem Reichstag und den Reichsstädten vergleichbare Institutionen. Ein Moloch ala Gareth existierte ja auch nicht. Das ganze Lehenswesen funktioniert wesentlich idealtypischer. Ein zentrales Problem war ja z.B. die unterschiedliche Lage des Eigenbesitzes. Bei DSA funktioniert Erbrecht anders. Anhand der Itinerare von Herrschern kann man gut die dynastischen Verschiebungen ablesen. Die Rechtsinstitute sind bei DSA ja auch anders. Urkundenwesen gibt es ja quasi nicht. Auch die Besitzverhältnisse in den Provinzen sind nach dem Bedarf Briefspiel ausgerichtet worden, nicht nach Aspekten von Realismus. Überschlag eventuell mal alle direkten und indirekten Einnahmen des Adels. Eigentlich sollten die meisten inzwischen riesige Schuldenberge haben…

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