Tales from the Crypt: Hölle Brandenburg

Seien wir ehrlich: Ja, das ist so. Was Berlin angeht, nun, das ist eine andere Geschichte…

Nun begab es sich aber im Jahre 2001, dass das Projekt „Deutschland in den Schatten II“ gestartet wurde, und der lustige Eismann bekam neben ein wenig Kleinzeug unter anderem die Kolon… das Allianzland Brandenburg. Als Halbrheinländer ist man von der Gegend natürlich echt was entfernt, und statt mit Google und Wikipedia meinen Text zusammen zu würfeln hatte ich mich entschieden, zwei Wochen Brandenburg zu befahren, einmal rum um Berlin, quasi als Urlaub. Wenn man gerne tot überm Zaun hängt, ist das übrigens eine sehr gute Wahl.

Wer sich das Brandenburg-Kapitel im DidS2 also näher anschaut, kann die Reiseroute also gut nachvollziehen können, mit all den Kleinigkeiten, über die ich gestolpert bin, inklusive  weiter und menschenleerer Ödnis und krüppeligen Kiefernwäldern, alle paar Kilometer ein Waldbrandwarnschild, neue Autobahnen und alte Buckelpisten, Soljanka, Ruinen zwei Straßen von Fußgängerzonen entfernt, Brandenburger Fassbrause und wahllos verteilte Plattenbauten in kleinen Ortschaften.

Bis auf einen sehr kleinen Skinhead, der auf Sicht die Flucht ergriff, habe ich keine Klischeenazis entdecken können, andererseits war ich mit einer „fremdländisch“ aussehenden jungen Dame unterwegs, und die Unhöflichkeit des Hotelpersonals war entsprechend schwer zuzuordnen. Hatten sie was gegen meine Begleitung oder waren es einfach gewohnheitsmäßig Krampen? Man sollte meinen in einem Hotel am Arsch der Welt, bei dem direkt neben dem Gelände der Bauer sein sandiges Feld mit Pferd und Pflug beackert und dessen Gästeunterkünfte aussehen, als habe man seit der Wende nichts mehr an dem zweistöckigen Plattenbauklotz repariert, in einem Hotel also, dessen „Pool“ mit grünem Glibber gefüllt ist, sei man froh, wenn mal jemand auftaucht, der nicht den gleichen Nachnamen hat, und der für eine Übernachtung auch noch bezahlt… tja, willkommen in Brandenburg. Als Autor führt man für seine Rache natürlich die Feder, was denke ich auf den 11 Seiten durchaus spürbar sein dürfte.

Besonders hängen geblieben ist mir als Historiker Wittstock mit dem kleinen netten Museum zum dreißigjährigen Krieg. Und die verzweifelte Suche nach Burgen. Dummerweise haben die Kommieverräter alles weg gesprengt, was nicht „volkseigen“ genutzt wurde, weshalb kaum etwas zu finden war. Einige Anwesen von Krautjunkern, denen man die jahrzehntelange Existenz als LPG-Zentrum ansah, Burg Rabenstein mit seinem Mittelwellenstörturm aus bestem Stahlbeton und ein kleines, zu diesem Zeitpunkt wieder hübsch zurecht gemachtes Barockschlösschen.

Erwähnenswert ist auch das riesige Einkaufszentrum in dem winzig kleinen Örtchen Wust. Wust ist per Bundesstraße mit der Stadt Brandenburg verbunden, und besagte Bundesstraße ist, wir sind ja in Brandenburg, von Bäumen gesäumt. Sie verläuft schnurgrade und schreit einen gradezu an, volle Kanne zu fahren. Bis auf die eine Stelle, an der die Straße vor einem Bach eine plötzliche 90 Gradkurve nach rechts, dann wieder nach links, dann über eine kleine Brücke, dann wieder nach links und dann wieder nach rechts nimmt, um wieder schnurgrade durchs Nichts zu führen. Man sollte die Organentnahme und die Fahrzeugentsorgung eigentlich direkt neben dieser Stelle fest installieren.

Aber kommen wir zurück nach Wust. Eine typische kleine Ortschaft, gefühlte 100 Personen, aber aus welcher göttlichen Eingebung auch immer versehen mit einem Moloch von einem Einkaufszentrum, in einer Dimension, die mir vorher so nicht bekannt war. Wir hatten zu dieser Zeit auch einen großen Real fast vor der Türe, aber das war nochmal eine ordentliche Schippe drauf. Interessanterweise liefen jede Menge Russen in dem Laden herum. Dieses Moment war für mich so prägend, dass einige Jahre später der Multiuserrun „Gefangen im Paradies“ in genau diesem Einkaufszentrum statt fand.

In diesem Sinne: Ich fühl mich leer, ich fühl mich brandenburg!

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4 Antworten zu Tales from the Crypt: Hölle Brandenburg

  1. Sigismund Dijkstra schreibt:

    Antwort darauf von dem stolzen Brandenburger in mir:
    Jaja, ich komm mal in deinen verkackten Ruhrpott, wo alles, egal wo man sich befindet, trist und grau aussieht. Eure versifften Kohlepötte sind ja so ein schönes Urlaubsziel …

    Antwort darauf von dem versucht objektiv denkenden Menschen in mir:
    Klar hat Brandenburg nix wirklich großes zu bieten, dass gilt zudem für MeckPomm, gegen das Brandenburg schon fast wie eine Kirmes anmutet! 😉
    Schade ist es aber, dass – soweit ich mich erinnere – daraus in DIdSII so wenig daraus gemacht wurde, denn wo nix is, kann man ja nach Belieben schalten und walten!
    Der Oderbruch als riesiges Sumpfgebiet, denn nix anderes kann es nach der Sprengung der Deiche durch die Russen sein, bietet verschiedene kleine Dörfer und sogar Städte die teilweise oder sogar ganz und gar vom Wasser verschont geblieben sind. Das öffnet dem organisierten Verbrechen Tür und Tor, nicht zu vergessen dass die teilweise vergessenen Bunkeranlagen auch für diverse Cons für geheime Projekte genutzt werden können.
    Nicht ganz zu vergessen die Menge an Russen hat über die Jahre nicht abgenommen, eher im Gegenteil. In dem vielleicht 12.000 Mann Städtchen, in dem ich wohne gibt es einen Ortsteil, in dem russische Sprachkenntnisse von starkem Vorteil sind, weil irgendwie die überall sonst geltende Amtssprache dort gewechselt hat!
    So sehr ich DidSII für eines der besten Werke in meiner SR-Sammlung zähle, so ungerecht fühle ich mich als „Betroffener“ auch benachteiligt, weil einem die Schreiber nun aber auch gar nichts zugestehen wollen!
    Wie gesagt, ich möcht Dir deine Arbeit nicht madig machen, aber ein Kleinbisschen mehr wäre schon schön gewesen.

  2. Sigismund Dijkstra schreibt:

    Arrrrghhh … werte Doomität, bau er gefälligst mal eine Editierfunktion ein …

  3. Sigismund Dijkstra schreibt:

    Nochmal arrrrrrghhhh, ich bin ja gar nicht auf Doomis seite, sondern der von Eismann … *facepalm for myself*

  4. eismann2060 schreibt:

    Gnihihi…
    Aaaalso: Ja, Brandenburg ist als der langweiligste Ort der Welt dargestellt. Das ist Absicht. Nicht nur, weil ich Brandenburg mopsig, öde und doof finde, sondern auch als Gegenstück zu so ziemlich jedem anderen Ort der ADL, in dem Ghule, Supermagiervampire, unsterbliche Elfen und Drachen ihr Stelldichein geben. Brandenburg eignet sich als Rückzugsgebiet und für all das, was einfach ein bisschen mehr Ruhe und ein bisschen weniger Aufmerksamkeit benötigt. Und der Oderbruch ist auch ohne Städte und Dörfer ein 1A-Spielplatz… ich sag nur Hovercraftverfolgungsjagden, Schatztauchen und Co.
    Man mag bei Brandenburg genauer hin schauen müssen, aber ich habe denke ich durchaus ausreichend Aufhänger versteckt, mit denen man was anfangen kann.

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