Law&Order: SVU -> Kopfjäger und Freiwillige

Manchmal entblöde ich mich nicht, auf VOX „Law & Order: SVU“ zu gucken. Die Serie ist so la-la, aber immerhin mit Ice-T. Und wenn ich sie sehe, kommen mir immer wieder die gleichen Gedanken, wie man aus dieser 08/15-Nummer ein richtig cooles Serienteil bauen könnte.

Man nehme den Hintergrund und verfrachte ihn in einen faschistoiden Polizeistaat. Es gibt eine kleine, reiche Oberschicht, die mehr oder weniger sakrosankt ist, eine politisch schwache Mittelschicht, die biometrisch, soziologisch etc. komplett in für die Polizei zugreifbare Datenbanken erfasst ist und eine große, kaum kontrollierte Unterschicht. Dazu ein paar Technikspielereien der Zukunft.

Am Anfang der Serie werden immer mal wieder „Freiwillige“ erwähnt, die in besonders gefährlichen Situationen, bei Bombenentschärfungen, Geiselnahmen etc. geholt werden können, aber Ice-T regelt das dann auch so, weil ihm die Freiwilligen zuwider sind. Erst einige Folgen später löst sich dann die Frage auf, was die Freiwilligen sind. Aber dazu gleich mehr.

Die Highlights wären dann in meiner kleinen Welt die Situationen, wenn so richtig die Kacke in den Ventilator fliegt, und Ice-T zu seiner Kollegin sagt „Es ist Zeit für die Kopfjäger.“ Das sind irgendwelche hochgezüchtete, schwerst bewaffnete Irre auf Kampfdrogen, die in die riesigen Slums geschickt werden, um einen bestimmten Verdächtigen an seinen Eiern (und nicht zwingend an einem Stück) aufs Präsidium zu schleifen. Kollateralschäden sind natürlich nicht gern gesehen, aber hey, das ist im Slum, da leben eh keine Wähler, außerdem müssen für Recht und Ordnung Opfer gebracht werden.

Zusätzlich gibt es die Möglichkeit Schläfer zu aktivieren, um in den Slums Informationen zu sammeln. Es handelt sich dabei um ehemalige Sträflinge und andere Leute, die „in der Schuld“ des Staates stehen. Die meisten wissen nichtmal, dass sie Schläfer sind, ihr Hirn kann aber ferngesteuert angezapft und nach Infos durchforstet werden, und man kann sie in begrenztem Maße fernlenken, um neue Infos zu erhalten. Ansonsten leben sie ein ganz normales Leben und merken von der ganzen Sache nichts. Ist dummerweise nicht ganz billig, weswegen das nur selten gemacht und oft diskutiert wird, ob sich das wirklich lohnt (nicht aber, ob das nicht vielleicht ein bisschen fragwürdig ist).

Aber kommen wir zu den Freiwilligen zurück. Das Freiwilligenprogramm ermöglicht es Leuten, deren Leben keinen Wert mehr für die Gesellschaft hat, mit dem Opfer eben dieses noch einmal etwas für die Gesellschaft zu tun. Sie entschärfen Bomben, sprengen sich bei Terrorists zu Hause in die Luft oder opfern heldenhaft ihr Leben, um wenigstens im Tod etwas sinnvolles geleistet zu haben. Quasi staatlich subventionierte Selbstmordattentäter. Gerade bei Totkranken sehr beliebt, die sich die Behandlung nicht leisten können. Selbstverständlich erhält die Familie auch eine kleine Abfindung, immerhin sind ihre Verwandten wahre Helden.

Die SVU kackt dabei einen großen Haufen auf alle Arten von Bürgerrechten, aber das ist okay, denn die Täter sind alle mindestens Kinderschänder, Kannibalen oder anderes Kroppzeug. Selbstverständlich diskutieren die Jungs und Mädels von der SVU regelmäßig darüber, und vielleicht haben sie einen unsympathischen Althippie dabei, der die ganze Sache doch etwas „grundrechtschonender“ über die Bühne bringen möchte, sich aber der Gerechtigkeit damit regelmäßig in den Weg stellt. Interessant wird es dann, wenn die Grenze der Verhältnismäßigkeit erreicht ist oder es gegen jemanden aus der Oberschicht geht. Aber nicht zu dick aufgetragen, ich fänd es unterschwellig interessanter.

Ja, ich glaube so eine Serie würde ich mir angucken wollen…

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4 Antworten zu Law&Order: SVU -> Kopfjäger und Freiwillige

  1. Jens_85 schreibt:

    Also das, was du da erklärst (Grundrechte sind am Arsch sobald du Verdächtiger bist, der tolle Staat darf alles, Kriminelle gehören entrechtet, Polizei/Specialforce darf gerne auf eigene Faust jeden Scheiß machen) findest du ja zumindest schonmal in jeder dieser Specialforces-USA-Abendserien. Ja, selbst in meiner persönlichen LIeblingsserie aus dem Sektor (nämlich NCIS)…

    Du packst es nur in ein gewollt dystopisches Setting – dabei fände ich eine Serie treffender, die das in der aktuellen Zeit und Welt ohne irgendwelchen Fantasiekram zeigt. Wobei… das machen einige dieser Sendungen und einige davon sicherlich auch… ungewollt… *ggg*

  2. TheClone schreibt:

    Dieser Ansatz der Selbstjustiz, bei der jeder, der einer Straftat ernsthaft verdächtig ist seine Bürgerrechte an der Garderobe des Polizeireviers abgibt ist nicht nur bei NCIS vertreten. Das geht doch jeder US-Polizeiserie mehr oder minder so. Ist da zumindest in der Fiktion schon Usus. Und da es jeder jeden Tag im Fernsehen sieht, wird sich die Realität anpassen oder hat es schon getan.

  3. sirdoom schreibt:

    Manchmal könnte man fast der Meinung sein, dass die ständige Falschdarstellung und Ignoranz von Bürgerrechten in Polizei- und Krimiserien nicht nur Absicht ist, sondern da ein Plan hinterteckt. Dauerberieselung des Zuschauers und Abstumpfung dem Thema gegenüber, die Grundlage dafür schaffen, dass das als „NORMAL“ angesehen wird.

    Ich komme dann aber meistens zu dem Schluss, dass eine Polizei-/Krimiserie, die sich immer ans gesetzmäßige Prozedere hält einfach stinklangweilig wäre*g* Was jetzt den Abstumpfungseffekt nicht beseitigt, aber es steckt wohl keine weltweite Verschwörung dahinter.*g*

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