Das böse Wort vom Autor

Ich bin Rollenspielautor.

Nun mag man denken, dass diese Aussage trivial ist. Für manche ist sie das aber nicht. Für einige Leute hat dieser Begriff nämlich eine negative Konnotation. Rollenspielautoren sind demnach Personen, die sich nur rudimentär mit den Regeln beschäftigen, sondern sich als Literaten verstehen, die im schlimmsten Falle ihre Werke als Kunst begreifen. Das imaginäre Gegenstück dazu ist der Rollenspieldesigner, der die Regeln entwickelt und als Idealbild Regeln, Hintergrund und Abenteuer zu einer perfekten (womit üblicherweise der Spielstil dessen gemeint ist, der den Begriff benutzt) Synthese führt.

Das ist natürlich Unsinn. Ja, ich hab schon ein wenig an Regeln herum basteln dürfen. Und nein, ich halte Rollenspielprodukte nicht für literarische Kunstwerke. Aber Designer… nee, is klar. Natürlich ist Designer wie auch Autor kein geschützter Begriff (genauso wie Journalist oder Historiker, um das mal einzuwerfen), aber Begriffe künstlich mit Konnotationen zu versehen, um sie dann als Werkzeug für die ewige Rollenspielmission zu missbrauchen… vielleicht bin ich da eigen, aber sowas find ich etwas daneben.

Möglicherweise ist die Vermischung aus Regelproduktion und Hintergrund + Abenteuer das Problem, denn zugegebenermaßen kann nicht jeder alles. Nur weil jemand gute Hintergrundtexte schreibt, heißt das nicht, dass er auch gut mit Regeln und ihrer Umsetzung klar kommt. Es bedeutet aber auch nicht, dass er es nicht kann. Strukturiertes und planmäßiges Arbeiten ist in beiden Fällen ein Schlüssel zum Erfolg.

Zu guter Letzt sei gesagt: Autor… ohne h. Wer im deutschen Sprachgebrauch Autor mit h schreibt, hat sich damit einen ganz besonderen Platz in der Hölle reserviert… ja, genau da, wo auch die Leute hin kommen, die im Theater husten.

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17 Antworten zu Das böse Wort vom Autor

  1. cg schreibt:

    Ich bin ganz Deiner Meinung: Unsinn. Wer eine solche Argumentation verwendet, gibt indirekt zu, keine besseren Argumente zu haben.
    (Man könnte schließlich auch fragen: warum Designer? Geht es nur um Gestaltung und Form? Warum nicht Entwickler?)

  2. MSch schreibt:

    Naja, das ist halt das Problem, das ja nicht mal mehr in der Tagesschau annähernd vernünftiges Deutsch gesprochen wird. Ein Autor ist halt ein typi, der für irgend einen von ihm geschrieben Text verantwortlich ist. Ich bin der Autor dieses Kommentars. Das dürfte eigentlich keinerlei Wertung beinhalten.

    Kann aber keiner mehr Deutsch und so wird Autor mit Schriftsteller gleichgesetzt.

    _Das_ sind die zu verachtenden Typis.

  3. Zornhau schreibt:

    Geht es nur um die reine Schreibtätigkeit, so ist man der VERFASSER eines Rollenspielprodukts.

    Geht es um das Schaffen, das Ausarbeiten, das Erstellen eines Rollenspielprodukts, dann ist man der ENTWICKLER dieses Produkts.

    Wer sich „Autor“ nennt, hat – bislang ist mir keine Ausnahme untergekommen – ein Selbstbild, das dem SPIEL im Rollenspielhobby NICHT gut tut. – Die Autoren sind die Eisenbahnschienenverleger, welche das Hobby in unsägliche Qualtiefen herabziehen!

    Glücklicherweise kann man sie leicht erkennen. Sie sind sich nämlich selbst zu schade von Verfasser oder Entwickler zu reden, sondern es MUSS immer gleich der „Autor“ sein (mit all dem, was bei diesem Begriff abseits von Verfasser mitschwingt und was man – auch wenn es dieser Blog-Artikel versucht – NICHT hinwegreden kann).

  4. eismann2060 schreibt:

    Da ich mich als Autor verstehe trifft das alles dann also auch auf mich zu?

    • Zornhau schreibt:

      Die Antwort gibst Du SELBST, da es ja im SELBSTVERSTÄNDNIS des jeweiligen Rollenspielschaffenden liegt, ob er zur „Problemgruppe“ gehört oder nicht.

  5. vaxr schreibt:

    Ich glaube, der Vorwurf war die mangelnde Praxisnähe, also dass das Abenteuer des „Autors“ nicht mit Fokus auf Spielbarkeit entworfen und auch nicht (oder nicht ordentlich) spielgetestet wurde. Regeln spielen da schon auch eine Rolle, sind aber IMHO nur ein Unterpunkt.

  6. sirdoom schreibt:

    Quote Wikipedia „Autor“: „Ein Autor (lat. auctor „Urheber“, „Schöpfer“, „Förderer“, „Veranlasser“) ist der Verfasser oder geistige Urheber eines Werkes. Dabei handelt es sich meist um Werke der Literatur im >>>weitesten Sinn<<< (Schriftsteller, Fachbuch-, Lehrbuch-, Sachbuch-, Drehbuch-, Fernseh-, Opern- oder Bühnenautor). Auch der Erfinder eines Spiels wird heute als Spieleautor bezeichnet. Seltener wird, mit einem deutlich juristischen Beiklang, als Autor der Urheber eines Werkes der nichtliterarischen Kunst (etwa Musik, Fotografie, Filmkunst) und der Wissenschaft verstanden (vgl. auch Softwareautoren, Gesetzesautoren, Autor in der Zoologie als Erstbeschreiber eines Lebewesens). Unüblich scheint es auch zu sein, konkrete Poesie, visuelle Poesie oder Wortbilder als von Autoren geschaffen zu bezeichnen."

    Damit bin ich Autor. Als Autor bin ich Schöpfer eines Werkes und auch Urheber. BAZINGA! Und nun?

  7. TheClone schreibt:

    Bleibt die Frage, ob Rollenspiel eine literarische oder nichtliterarische Kunst ist.

    Also für mich hat das Wort „Autor“ keinen negativen Beiklang. Ich bin ja auch Blogautor sozusagen. Und hab es als Hobby-Legastheniker sicher schon mal mit „h“ geschrieben. Ich denke aber diese Wortklauberei ist nichts anderes als ein Stellvertreterkrieg für die Tatsache, dass es leider immer wieder Rollenspielautoren/-entwickler/-verfasser/-mubelschwurbs gibt, die sich beim Schreiben von Abenteuern an den Regeln des klassischen Dramas mit Spannungsaufbau usw. orientieren, was mit den meisten Spielsystemen nicht funktionieren kann. Oder sie versuchen einen Roman zu schreiben und legen dabei die von Zornhau erwähnten Schienen aus. Das ist tatsächlich eine verbreitete Unsitte, der man gut und gerne den Kampf ansagen kann. Deswegen ist aber nicht jeder selbst- oder fremdernannte Autor ein Depp. Das Wort selbst hat damit nichts zu tun, auch wenn es vielleicht eine nennenswerte Schnittmenge geben mag. Das ist aber eher Zufall.

    • Zornhau schreibt:

      Das Wort „Autor“ an sich, ist erst einmal unbelastet.

      Das Wort „Autor“ im Zusammenhang mit dem Erstellen von Rollenspielprodukten HAT eine deutlich NEGATIVE Prägung aufgrund eklatanter Qualitätsmängel der betreffenden Produkte von „Autoren“. Diese Qualtitätsmängel sind es, die beim Selbstverwenden des Begriffs „Autor“ durch einen Rollenspieleschaffenden völlig berechtigt die Alarmglocken erschallen lassen.

      Rollenspiel-„Autoren“ sind es, welche „Romane“ verfassen, statt SPIELMATERIAL zu entwickeln.

      Das ist das Problem, welches beim Verwenden des Begriffes „Autor“ in Zusammenhang mit Rollenspielen besteht. Es ist im Kontext des Rollenspielhobbys nun einmal NICHT unbelastet, sondern ganz im Gegenteil: BERÜCHTIGT! Es bürgt für absichtsvoll mindere Spielbarkeit und Schwelgen in Autorenselbstdarstellung via romanartiger Textdickichte.

      • eismann2060 schreibt:

        Du baust da eine Strohpuppe auf. Ich hab jetzt mal wahllos in meinen Rollenspielschrank gegriffen und in jedem Impressum, ob DSA, Deadlands, Vampire, Degenesis, Shadowrun und PP&P werden die „Textproduzenten“ Autoren genannt. Es mag sein, dass du in den Begriff irgend etwas negatives rein interpretierst, aber das geht mir mit dem Wort „Wurst“ genauso und ist für den Rest der Menschheit relativ irrelevant.

      • TheClone schreibt:

        Ich liebe diese unglaublich offene Diskussionsatmosphäre, wo die eigene Wahrnehmung als die letzte Wahrheit gilt. Ich will Dir gerne glauben, dass das für Dich und Dein Umfeld ausnahmslos gilt. In meinem ist davon nichts zu spüren. Aber mit Deiner Formulierungsweise leistest Du einen prima Beitrag dazu, die Diskussion in Richtung Flamewar zu treiben, statt sachlich das Thema zu sezieren. Falls es Absicht ist, frage ich mich, was Du statt sachlicher Diskussion erreichen willst. Sehr preußisch jedenfalls 😉

  8. ghoul schreibt:

    Besagte Kritik an „Autoren“ kommen ja nicht von ungefähr, gerade hier im deutschen Eisenbahnatmogutenachtgeschichtenerzählspielland, s. Beitrag Zornhaus.
    Allein, dass Du Dich genötigt siehst, Dich zu rechtfertigen und zu definieren, was Du unter einem Autor verstehst, ist ein Erfolg für die um spielenswerte Abenteuer besorgten Kritiker.
    Probleme müssen nunmal diskutiert werden, wenn man Verbesserung erwartet.

  9. amel schreibt:

    Da kommst du nicht durch – habe ich auch schon probiert (http://wp.me/p4sHS-t3). Leute wie Kommentator Zornhau sehen nicht ein, dass sie mit ihrer Generalkritik *allen* Autoren, also auch den guten, auf die Füße treten. Wie können wir aber auch versuchen, den Predigern ihr Schlagwort zu nehmen? Wir sollten uns schämen …

    Wobei die Kritik selbst vielerorts durchaus berechtigt ist (es gibt viele Abenteuer, die unabhängig vom Spielstil einfach schlecht designt sind), aber das steht ja hier gar nicht zur Debatte.

  10. cyric schreibt:

    Typisch deutsche Diskussion – wo Titel wichtiger sind als Inhalte. Ist es wichtig, als Autor bezeichnet zu werden – anstatt als Verfasser genannt zu werden? Drückt Verfasser weniger aus? In meinem Job (IT-Branche) will jeder, der nach oben strebt, irgendwie ein Manager sein… so das in einigen Firmen jeder zweiter Job die Titelbezeichnung „Manager“ im Namen trägt. Und trotzdem wird dort programmiert, designed und verwaltet.

    Wenn überhaupt, kann ich Zornhau sogar zustimmen – Raildoading ist ein Zeichen von Verfassern, die auf den Titel Autor scharf sind. Nicht immer, aber auch alles andere als selten.

  11. Joni schreibt:

    Rollenspiele schreiben ist gar keine Kunst, sondern bestensfalls ein Handwerk.

  12. MSch schreibt:

    OK, ich kriege keine gewalttätigen Ausraster mehr, wenn ich das Wort „Zocken“ als Synonym für „Rollenspiel betreiben“ höre, aber wenn in das Wort Autor mehr als der Begriff „Verfasser“ reingedichtet wird, ist das schon schlimm.

    Flitzpiepen, die sich selber mit dem Begriff Autor schmücken, aber eigentlich Künstler, Romanautor oder Schriftsteller meinen sind natürlich ganz arme Kreaturen und deren Dreck möchte ich nun wirklich nicht lesen und schon gar nicht spielen. Wenn ich recht überlege möchte ich auch kein Spiel von jemand spielen, der sich über dieses Spiel/Abenteuer/etc als Schriftsteller definiert.

    Es gibt Rollenspielautoren, die auch Schriftsteller sind, aber mit getrennten Werken ( z.B. Robin D. Laws oder Greg Stolze). Gut schreiben zu können ist ein Muß für beide Betätigungen aber das ist nur ein handwerklicher Aspekt (den ich leider zu oft vermisse), ansonsten ist beides doch ziemlich disjunkt.

  13. sirdoom schreibt:

    Okay, also wieder die Sonderwurst für Deutschland. In Deutschland herrscht ja diese Unsitte vor, dass Geschriebenes alleine unter dem schwer definierbaren Begriff des „künstlerischen“ betrachtet wird. Und ein Künstler hat seine Kunst naturgegebenerweise, die kann man auch nicht lernen.

    In UK und den USA ist die ganze Sache erstmal ein Handwerk, welches man lernen kann. Die Kunst kommt dann dazu. Und diese Herangehensweise ist weitaus sinnvoller.

    Was heißt das? Grundsätzlich ist der Verfasser eines Romans, eines Rollenspielbuches oder des Sachbuches „Wie gehe ich richtig scheissen“ von seiner Tätigkeit her ein Autor. Ende.

    Ob er ein guter oder schlechter Autor ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Denn als Autor muss man Medium und Zweck des Werkes berücksichtigen. Ein guter Rollenspielautor schreibt also keine 200 Seiten lange Innere Reflexion über die Ungerechtigkeit des Universums, sondern schreibt den Text so, dass er einen Mehrwert für den Spieler hat, der daraus Nutzen und Ideen ziehen kann. Ein schlechter Rollenspielautor macht dies nicht.

    Genauso wäre der Autor von „Wie gehe ich richtig scheissen?“ ein guter Autor, wenn man aus seinem Sachbuch erfährt, wie man anständig aufs Klo geht, aber ein schlechter Autor, wenn es in seinem Werk darum geht, wie man einen Nagel in die Wand haut, obwohl der Titel „Wie man richtig scheissen geht“ heißt.

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