Feldlagerregeln (Teil 1): Nutten, Saufen, Schlägereien

Ein Haufen Ritter ist,  wie man sich denken kann, ein beständiger Quell der Unruhe. Eine große Gruppe im Kampf ausgebildete und auf ihren Stand, ihre persönliche Ehre und die Ehre ihres Lehnsherren fixierte Kerle, meistens betrunken und schwer bewaffnet, das geht nicht lange gut. Daher ist ein Feldlager nicht nur alleine was Infrastruktur und Versorgung angeht eine echte Herausforderung. Alleine schon die verschiedenen Grüppchen, die meist in Zeltgenossenschaften organisiert sind und so im eigentlichen Feldlager Unterlager bilden, machen jede Menge Arbeit, nicht zuletzt da sie ein beständiger Quell für Unsinn und Chaos sind. Kein Wunder also, dass Friedrich Barbarossa sich während seiner Italienfeldzüge gezwungen sah, ein paar klare Regeln aufzustellen, und wie meist, wenn Regeln aufgestellt werden, geschieht dies, weil sie vorher gebrochen wurden. Aber schauen wir mal rein, was Rahewin, Nachfolger von Otto von Freising, als Chronist in seiner Gesta Frederici (Die Taten Friedrichs) zu diesem Thema notiert hat:

31. Während sich der Kaiser im Lager aufhielt und auf die aus den verschiedenen Städten Italiens heranziehenden Truppen wartete, entschloß er sich in völlig angemessener und frommer Weise, sich vor den Angelegenheiten des Krieges denen des Friedens zu widmen. Er berief also eine Fürstenversammlung und erließ folgende Friedensgesetze, die im Heer befolgt werden sollten:

Wir ordnen an und wollen streng beachtet wissen, daß kein Ritter und kein Knecht einen Streit zu erregen wage. Wenn einer mit einem anderen in Streit gerät, darf keiner von beiden die Lagerparole schreien, damit seine Kameraden nicht zum Kampf aufgerufen werden. Ist aber ein Streit ausgebrochen, darf niemand mit Waffen, nämlich Schwert, Spieß oder Pfeilen herbei eilen; sondern ausgerüstet mit Panzer, Schild und Helm, bringe er zu dem Streit nur einen Knüppel mit, um den Streit zu schlichten. Niemand darf die Lagerparole rufen, außer wenn er sein Quartier sucht. Hat aber ein Ritter durch das Rufen der Parole einen Streit erregt, soll ihm seine ganze Rüstung weggenommen und er aus dem Heer ausgestoßen werden. Wenn es ein Knecht getan hat, soll er geschoren, gegeißelt und am Kinnbacken gebrandmarkt werden, oder sein Herr soll ihn loskaufen mit seiner ganzen Rüstung.

Wer jemanden verwundet hat und es abstreitet, dem soll, wenn der Verwundete durch zwei glaubwürdige, mit ihm nicht blutsverwandte Zeugen jenen überführen kann, die Hand abgehauen werden. Wenn aber Zeugen fehlen und der Täter sich durch einen Eid reinigen will, kann der Kläger, wenn er will, den Eid ablehnen und jenen zum Zweikampf herausfordern.

Wenn jemand einen Totschlag begangen hat und von einem Verwandten des Erschlagenen oder einem Kameraden durch zwei glaubwürdige, nicht mit dem Erschlagenen blutsverwandte Zeugen überführt wird, soll er mit dem Tode bestraft werden. Wenn aber Zeugen fehlen und der Mörder sich durch einen Eid reinigen will, kann ein Freund oder Verwandter des Erschlagenen ihn zum Zweikampf fordern.

Wenn ein fremder Ritter friedlich ins Lager kommt, ohne Schild und Waffen auf seinem Pferd (palefridus) sitzend, soll jemand, der ihn verletzt, als Friedensbrecher gelten. Kommt er aber zum Lager, auf einem Streitroß (dextrarius) sitzend mit dem Schild am Halse, der Lanze in der Hand, dann hat einer, der ihn verletzt, den Frieden nicht gebrochen.

Ein Ritter, der einen Kaufmann ausgeplündert hat, soll das Geraubte doppelt erstatten und schwören, er habe nicht gewußt, daß jener ein Kaufmann sei. Ist der Täter ein Knecht, so soll er geschoren und am Kinnbacken gebrandtmarkt werden, ob sein Herr muß für ihn den Raub erstatten.

[…]

Niemand soll ein Weib in seinem Quartier haben: wer aber eines zu haben wagt, dem soll seine ganze Rüstung genommen werden, er soll für exkommuniziert gelten, und dem Weibe soll die Nase abgeschnitten werden.

[… verschiedene Regeln zum Diebstahl etc.]

Wenn jemand das Roß eines anderen findet, soll er es nicht scheren noch unkenntlich machen, sondern soll es dem Marschall melden, und er soll es nicht geheimhalten, sondern ihm sein Gepäck aufbürden. Wenn aber derjenige, dem das Pferd abhanden gekommen ist, es unterwegs beladen antrifft, soll das Gepäck nicht herunterwerfen, sondern zu dessen Quartier folgen, und dort wird es sein Pferd zurückerhalten.

Wer eine Vorratsgrube findet, darf sich ihrer ungehindert bedienen. Wenn sie ihm weggenommen wird, soll er nicht Böses mit Bösem vergelten und das ihm angetane Unrecht nicht rächen, sondern es dem Marschall klagen, um sein Recht zu erhalten.

Wenn aber ein deutscher Kaufmann in eine Stadt kommt und Waren kauft, sie dann zum Heere bringt und im Heer teurer verkauft, soll ihm der Kämmerer seine ganze Ware wegnehmen, ihn geißeln, scheren und am Kinnbacken brandmarken lassen.

Kein Deutscher soll einen Lateiner zum Genossen haben, wenn dieser nicht Deutsch versteht; hat er doch einen, soll ihm alles, was er hat, weggenommen werden.

Wenn ein Ritter einen Ritter beschimpft, kann er das durch einen Eid ableugnen; bestreitet er es jedoch nicht, soll er ihm 10 Pfund der Münze zahlen, die zur Zeit im Heere gilt.

Wenn einer Fässer voll Wein findet, soll er den Wein so vorsichtig abzapfen, daß er die Fässer nicht zerbricht oder die Bänder der Fässer zerschneidet, damit nicht der ganze Wein zum Schaden des Heeres auslaufe.

Wenn eine Burg erobert worden ist, dürfen die darin befindlichen Güter geraubt werden, sie selbst aber soll nicht in Brand gesteckt werden, wenn es der Marschall nicht etwa selber tut.

[… Hier folgen noch einige Regeln zur Jagd, deren Quintessenz lautet, dass der, der das Tier tötet, es auch behalten darf.]

Gesta Frederici Buch III, Kapitel 31

Übersetzung nach: Die Taten Friedrichs, Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters, Band 17, S. 457ff.

Hier sollte man die Quelle erstmal auf sich wirken lassen, ich werde später noch etwas zur historischen Einordnung und natürlich zur Nutzung für Rollenspieler schreiben.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Das Schwarze Auge, Geschichte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Feldlagerregeln (Teil 1): Nutten, Saufen, Schlägereien

  1. philippspreckels schreibt:

    Schöner Quellenfund!

  2. Pingback: Ein Königreich für ein Pony | Das Eisparadies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s