Gastbeitrag: Is der Zombie da noch gut?

Hier ein kleiner Gastbeitrag von Jens Ballerstädt, dem einen oder anderen als Medic, Shadowrunautor und Gründer des SAR-Teams bekannt, und nun auf dem besten Wege auch ein Autor für Das Schwarze Auge zu werden. Und ab dafür:

Es wurden hier ja schon einige Worte über den kreativen Prozess beim Schreiben eines Abenteuers verloren. Letzten Endes spielt es aber natürlich keinerlei Rolle, ob man ein Abenteuer, eine Kurzgeschichte, einen Roman oder auch nur eine Rede für den Kaninchenzüchterverein Bad Lippspringe schreibt. Was sich allerdings komplett unterscheidet, ist, ob man eine Idee hat und sich entscheidet sie auszuarbeiten, oder ob man einen konkreten Auftrag für einen Text hat und sich dann was einfallen lassen muss.

Der ideale Fall ist natürlich Tor Nummer 1. Ich denke den meisten Spielleitern in den heimischen Rollenspielrunden geht es so. Doch wie funktioniert das eigentlich? Einstein hat mal gesagt „Das Geheimnis der Kreativität ist es zu wissen wie man seine Quellen verbirgt.“ Was er damit sagen will ist, dass wirklich originäre Gedanken mal so echt richtig selten sind. Letzten Endes braucht nämlich jede Art von Kreativität Input. Es ist äußerst schwierig kreativ zu sein, wenn man in einer komplett weißen Wohnung wohnt ohne fremde Eindrücke und nur für sich alleine ist. Sicher kann man dann bestimmt tolle Geschichten über seine eigene Verdauung schreiben, aber wer will das auf Dauer. Halten wir also fest, dass es wichtig ist Input zu bekommen um kreativ sein zu können. Was das dann für ein Input ist, ist natürlich von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Für den einen ist es ein beeindruckender Film, für manche ein gutes Buch oder ein Spaziergang im Wald, und für den anderen die Zugfahrt im Großraumabteil von Köln nach Berlin.

Jetzt ist es allerdings wenig kreativ einfach den Film, das Buch, den Wald oder das Gespräch der Großfamilie im Zugabteil nach zu erzählen. Um bei Einstein zu bleiben hat man dann zwar eine Quelle, diese aber nicht gut versteckt. Oder anders ausgedrückt: Kreativ wird es erst dann, wenn man Eindrücke neu kombiniert und so etwas Neues erschafft.

Doch selbst wenn man dann mit seinen Eindrücken einen Text geschrieben hat, ist es immer noch fraglich, ob man wirklich kreativ war. Manche Ideen schlummern nämlich für Jahre in einem und wenn man dann eine vermeintliche „Idee“ hat und sich wahnsinnig kreativ fühlt, kommt plötzlich ein guter Kumpel um die Ecke, dem man seine komplett eigene und wahnsinnig kreative Idee unterbreitet, und dieser sagt einem dann freudestrahlend: Ah ja. Kenn ich. Is doch aus Terminator 3.

Man schleppt also ständig Ideenzombies mit sich herum, die einem immer wieder ans Gehirn wollen. Unheimlich wichtig für den kreativen Prozess ist es also jemanden zu haben, mit dem man sich besprechen kann und der ehrlich genug ist einem auch mal zu sagen, dass eine Idee gerade mal so überhaupt nich passt.

Aber wir wissen ja alle wie das mit Zombies ist. Es kann nie genug geben. Ich habe also eine Sammlung von Ideenzombies. Und irgendwann wenn keiner mehr damit rechnet sagt eine Idee: Ich geh mal eben Raus zum pinkeln und dann schlägt die Stunde des Zombies. Er beißt die Idee und infiziert sie. Sprich: Eine neue Idee, infiziert mit einem alten Ideenzombie kann echt der Anfang einer guten Geschichte sein. Oder auch nur ein weiterer Zombie. Aber wie gesagt: Davon kann es ja nie genug geben…

Ach ja: Bildnachweis

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