Captain Creative vs. Dr. Darque

Manche Leute sagen, dass man Kreativität lernen kann. Keine Ahnung, ob das so ist. Aber hilfreich ist es allemal, wenn man dafür entsprechende Starthilfen verwendet. Als Beispiel habe ich bereits ein paar historische Quellen genannt, es gibt aber auch vieles andere, was man so verwursten kann.

Meine persönlichen Favoriten was Ideen angeht sind die Jungs von Rammstein. Man muss die Musik nicht mögen (wobei das in diesem Falle deutlich hilft), aber mit dem Album Reise, Reise habe ich grade auch für DSA-Abenteuer jede Menge Spaß gehabt.

Nehmen wir mal Stein um Stein:

Da mauert ein über das Lied zunehmend irrer klingender Kerl jemanden bei sich zu Hause ein. Das Bild hat mich so recht nicht los geworden, und als es daran ging ein simples „Haltet den Pass, bis die Kavallerie kommt“-Szenario mit ein wenig Fleisch zu versorgen, war die Zeit für diese Vorstellung gekommen. Das Endprodukt findet sich in dem Abenteuer Die Brücke in der Mephisto Nr. 41. Kurz gesagt: Ein Horasischer Adeliger hat zu seinen Lebzeiten Mätressen, die er leid geworden ist, in seinem Jagdschloss im Keller einmauern lassen. Da sowas natürlich Gerüchte erzeugt, ist er von einem Borongeweihten auf eine Pilgerfahrt zum Krieg gegen die schwarzen Lande geschickt worden. Nach seiner Rückkehr als schimmeliger Untoter hat er da weiter gemacht, wo er aufgehört hat: Er hat Frauen von seinen untoten Schergen entführen lassen auf der Suche nach seiner Braut. Der Auswahlprozess war einfach. Er hat ihr sein Schloss gezeigt, und wenn sie es schön genug fand, dann war alles super und die Hochzeit konnte los gehen. Aus unerfindlichen Gründen haben die Frauen aber immer angefangen zu schreien und um sich zu schlagen, was sicher an dem Schloss gelegen hat. Es war einfach nicht schön genug. Also hat er sie in das Fundament einmauern lassen, um die Schönheit der Frauen in das Bauwerk übergehen zu lassen. Hat als Hintergrund für den irren Oberuntoten im Abenteuer sehr schön funktioniert.

Ähnlich gut haben Morgenstern und Rosenrot (auf einer anderen Platte) funktioniert. Bei letzterem gibt schon das Video den Hintergrund für ein Abenteuer vor, ohne dass ich da viel zu sagen muss:

Morgenstern ist da etwas komplizierter… ich schlage mich schon seit einiger Zeit mit der Idee eines gefallenen Laraan, der sich in eins seiner Opfer verliebt hat und daher von seiner Herrin aus den Niederhöllen verbannt wurde. Als hässlicher Quasimodo lebt er seitdem mit seiner dank seiner Herrin ähnlich hässlichen Geliebten irgendwo im Wald als Eremiten zusammen. Doch die anderen Diener der Belkelel kommen immer mal wieder vorbei um sie zu quälen und zu verspotten, was natürlich die umliegenden Dörfer in Unruhe versetzt. Die Szenerie vor dem Thron Belekelels fände ich als Beschreibung sehr interessant, für die die Verbannung in die Hässlichkeit schlimmer ist als jeder körperliche Schmerz, und auf der anderen Seite der Dämon, der seine Geliebte voller Liebe behandelt, egal wie sie aussieht. Ist natürlich die Frage, wie die Gefühlswelt eines Dämons aussieht, aber zumindest Wut, Hass und Freude (und wenn es nur an Tod und Zerstörung ist) kennen sie, warum also in diesem speziellen Fall nicht auch das.  Wie man um beide Szenerien nun ein Abenteuer strickt ist eine ganz andere Geschichte. Da darf jetzt jeder mal sein Kopfkino anwerfen.

Das alles klingt jetzt natürlich alles schrecklich Emo, und der eine oder andere eingefleischte DSA-Spieler schlägt sicher schon die Hände über den Kopf zusammen, aber Don’t Panic!, so schlimm ist es auch wieder nicht. Ich bin kein großer Freund von „Darquer than you!“, und komplette Systeme, die primär davon getragen werden, sind jetzt auch nicht grade mein Lieblingsspielplatz.

Zudem: Ich hasse Vampire! Geht gar nicht. Mir ist völlig schleierhaft, wie man sowas gut finden kann. Jetzt mal ab von der zumeist damit verbundenen Pseudo-Theatralik über ihr schlimmes Schicksal als unsterbliche Mörder und Seuchenschleudern oder die Superpower-Rebellenhaftigkeit, sollte man sich nur folgende Frage stellen: Wären sie auch noch so cool, wenn sie sich von irgendeiner anderen, frei bestimmbaren Körperflüssigkeit ernähren würden? Egal welche, sucht euch eine aus.

Ansonsten: Ich kann mir deutlich finstere und schmutzige Elemente bei DSA vorstellen und halte es für keine schlechte Idee, auch nicht ganz so strahlend heldenhafte Handlungen von den Helden in Abenteuerstrukturen aufzunehmen bzw. die Welt als Pseudo-Spätmittelalter in ihrem Rahmen handeln zu lassen, ohne ins „No one expects the spanish inquisition!“-Klischee abzurutschen. Ich hoffe, ich werde das bei Familienbande akzeptabel hin bekommen. Das bedeutet aber nicht, dass ich nicht auch lockerleichte, heroische oder komische Szenarien schreibe. Zum Beweis verweise ich einfach auf Bretter, die viel Geld bedeuten in der Mephisto Nr. 40 und füge für die, die länger mit mir spielen mussten, hinzu: Ich kriege alle eure Socken!

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